Die Pfade und Ausblicke in Slieve League: Eine Klasse für sich.

Guten Tag, Leute!

Hier ist der letzte Teil meiner Reisenotizen aus Irland – und damit ein weiteres Naturwunder von der Westküste des Landes: Slieve League.

Die Berge waren an diesem Tag nicht höher oder steiler als jene, die wir am Vortag gesehen hatten, aber die Aussblicke waren irgendwie viel besser…

Slieve Laegue cliffs, Ireland

Slieve Laegue cliffs, IrelandPink Floyd KLF

Es gibt hier einige alte Wege – Wege, die Pilger auf ihren Pilgerreisen benutzten. Im letzten Jahrhundert wurden sie gesäubert, begehbarer gemacht und bekamen Wegweiser. Es gibt zwei Hauptstrecken: eine schnelle, eine langsame.

Slieve Laegue cliffs, Ireland

Wir konnten uns nicht einigen, welche wir nehmen sollten – also haben wie beide ausprobiert. Allerdings sind sie nicht dafür ausgelegt, beide an einem Tag begangen zu werden. Wir haben das am späten Nachmittag herausgefunden. Aber es war gut, dass wir im Hotel das große Irische Frühstück genommen haben. Die über 1.500 Kalorien haben wir gut brauchen können.

Die linke Seite von Slieve League ist ganz einfach zu erwandern; und die Aussichten sind schön sehr schön!

Slieve Laegue cliffs, Ireland

Slieve Laegue cliffs, Ireland

Slieve Laegue cliffs, Ireland

Die Behörden haben es ganz gut geschafft, die Wildnis hier zu zähmen und touristenfreundlicher zu machen. An den steileren Stellen des Wegs wurden Treppen installiert und die flacheren Teile sind dank sinvoll angelegter Felsen und Steine nun weniger matschig. Über diese Steine zu laufen ist wirklich etwas besonderes – man muss nach unten sehen und auf seine Schritte achten, um nicht gleich zu merken, dass man sich auf dem Weg trotzdem ganz schön anstrengen muss – denn man ist viel zu beschäftigt, aufzupassen, dass man keinen Stein verpasst und seinen Knöchel verstaucht!

Ja, diese Steinwege sind echt toll. Nicht nur zum Joggen, sondern auch zum Gehen – sie machen die tückische Wildnis begehbarer, so dass die weniger sportlichen – oder weniger jungen – Menschen die Hügel ebenfalls genießen können :).

Slieve Laegue cliffs, IrelandVorsichtig gehen!

Slieve Laegue cliffs, Ireland

Slieve Laegue cliffs, IrelandKiessäcke für das eisige Wetter.

Mein Reisebegleiter A.B. bemerkte, dass der Hauptunterschied zwischen den Aussichten des Vortags und heute der meditative Unterschied ist. Ich stimme dem zu.

Die Moher-Klippen sind einfach brutal. Die Klippen von Slieve League sind… nachdenklich. Wir waren uns einig, dass wir einiges Tages mit einem guten irischen Malt-Whiskey wieder hierherkommen, einfach ein paar besinnliche Stunden hier sitzen und alles einsaugen müssen (die Landschaft und den Whiskey 🙂 ). Doch andererseits würde der Whiskey die mleancholische Stimmung des gestrigen Moher-Besuchs aufhellen, die von den schrecklichen Wetterbedingungen kommt. Aber ich schweife ab.

Slieve Laegue cliffs, Ireland

Nach ein paar Stunden auf unserer Wanderung beschlossen wir, dass es sinnlos sei, auf den Gipfel zu gehen, da er in Wolken gehüllt war. Er war zu weit, zu hoch und was hätte es gebracht – wir hätten durch den Nebel sowieso nichts gesehen.

Slieve Laegue cliffs, Ireland

Doch als wir ans Ende der ersten Strecke kamen, waren wir durch die Sichtung von dreifachen Regenbögen so optimistisch gestimmt, dass wir beschlossen, auch den zweiten Weg noch schnell in Angriff zu nehmen. Immerhin könnten wir endlich einen irischen Sonnenuntergang sehen.

Slieve Laegue cliffs, Ireland

Slieve Laegue cliffs, IrelandKönnen Sie den Topf mit Gold sehen?

Unser geplanter schneller Marsch entlang der zweiten Strecke stellte sich als etwas anders als erwartet heraus. Nach 20 Minuten eine leichte Steigung hinauf, wechselte der Pfad von „Rentner-machbar“ auf „ultrahart – nur für Athleten“. Wir kletterten 40 Minuten über richtig morastige Wegstücke, auf denen die Felsen überwuchert waren. Und das alles in dickem Nebel und bei starkem Wind!

Slieve Laegue cliffs, Ireland

Es stellte sich heraus, dass die längere Route ganz auf den Gipfel des Bergs führt, was wir eigentlich ja nicht geplant hatten. Aber wer A sagt, muss auch B sagen – also stapften wir weiter. Beim nächsten Mal müssen wir uns passender anziehen; Jeans und Turnschuhe reichen einfach nicht – man wird nur nass und kalt und irgendwie missgelaunt (wieder!). Man braucht warme, wasserfeste und atmungsaktive Kleidung von Kopf bis Fuß.

A.B. hat das Ganze nett zusammengefasst: „Diese Schafe sind echt zähe Kreaturen. Schau, wie leicht es ihnen fällt, hier das ganze Jahr herumzuwandern. Ich wette, sie lachen uns aus, wie wir hier nach ein paar Stunden herumstolpern.“

Slieve Laegue cliffs, IrelandKönnen sie es kichern sehen?

Slieve Laegue cliffs, IrelandKicher, kicher.

Doch als wir oben ankamen, war es den anstrengenden Aufstieg wert. Mensch, was für eine Aussicht – und wir hatten auch den lange erhofften Sonnenuntergang. Bingo!

Slieve Laegue cliffs, Ireland

Slieve Laegue cliffs, Ireland

Slieve Laegue cliffs, Ireland

Slieve Laegue cliffs, Ireland

Slieve Laegue cliffs, Ireland

Slieve Laegue cliffs, Ireland

Slieve Laegue cliffs, Ireland

Auf dem Gipfel des Bergs – durchnässt und zitternd, aber immer noch gut gelaunt durch das spektakuläre Panorama – gingen unsere Gedanken wieder einmal, mysteriöserweise, zum Thema Whiskey und wie gut ein Schluck oder zwei oder drei jetzt tun würden. Das muss an der irischen Luft liegen…

Insgesamt war unsere Wanderung… transzendental. Ich kann das jedem empfehlen, der in Irland ist und ein oder zwei Tage Zeit hat – und fit genug dafür ist.

Als wir wieder nach unten kamen, ging es mit dem Auto über Feldwege zurück nach Dublin. Sie sind wahrscheinlich nur ein Viertel so breit wie die Straßen, die wir gewohnt sind, und meist stehen hohe Hecken auf jeder Seite, so dass die Sicht teilweise auf fünf Meter begrenzt ist, wenn die Straße eine scharfe Kurve macht. Mit dem Gegenverkehr klarzukommen, benötigt hier etwas Übung – und die Fähigkeiten von Akrobaten. Und für entgegenkommende Busse oder Lastwägen braucht man dann die Fähigkeiten eines Schlichters (um ruhig und gelassen zu bleiben und NICHT IN PANIK zu geraten!!).

Auf dem Weg sind wir auch kurz nach Nordirland (britisches Territorium) gefahren. Keine Grenzposten oder so – nur ein Schild mit der Aufschrift „Welcome to the UK“ – oder „Great Britain“ oder so ähnlich. Und dann beim Zurückfahren „Welcome to Ireland“. Leider war es dunkel, sonst hätte ich Fotos gemacht. In diesem Dorf geht die Grenze in der Mitte des Flusses entlang. Man geht über die Brücke – und ist in einem anderen Land!

Die Grenze ist das Ergebnis des Irischen Unabhängigkeitskriegs. Hmmm, eine ganz schön lange Geschichte. Interessant, oft traurig, immer lehrreich.

Was sonst noch? Die Straßen auf irischer Seite sind wirklich gut, mit gut sichtbaren Markierungen und frischem Asphalt. Auf britischer Seite sind sie eher… bescheiden. Kein Kommentar :).

…und das beschließt meine irische Mini-Artikelserie. Beim nächsten Mal gibt’s keine Geschichte von einer Insel, sondern von einem europäischen Land, das nur von Land umgeben ist – Österreich!…

Alle Fotos gibt’s hier.