Cybersicherheit: Wie alles begann – Teil 8: 1998-2000 (Umstrukturierung, Auslandsbüro, Partnerkonferenz).

Die ersten Jahre nach der Firmengründung waren die härtesten überhaupt; wir mussten wirklich alle Stunden darauf verwenden, uns wortwörtlich den Arsch aufzureißen. Es fühlte sich so an, als würden wir konstant eine Springfeder zusammenhalten, nur um diese erst einige Zeit später wieder freizugeben, um das Unternehmen hoch und weit über den Horizont hinaus in die richtige Richtung unserer Wunschvorstellungen schnellen zu lassen (überlegen Sie sich daher gut, welche Luftschlösser Sie bauen 😉). Nach der formellen Registrierung von KL im Jahr 1997 konnten wir mit sehr geringen Ressourcen sehr viel bewegen. Wir hatten kaum Geld (geschweige denn die Mittel), aber das Cybersicherheitsförderband lief (und läuft immer noch) unentwegt weiter: Neue Technologien wurden benötigt, und der Markt forderte neue Produkte. Also arbeiteten wir ununterbrochen, auch an Wochenenden, und hatten kaum einen freien Tag. Aber, woran haben wir eigentlich so hart gearbeitet? Hier ein Beispiel …

Juni 1998: die globale Chernobyl (CIH) Virus-Epidemie. Alle anderen AV-Unternehmen hatten diese Gruppe der Computerviren entweder nicht bemerkt oder sich schlichtweg nicht darum gekümmert – oder waren im Urlaub. Wir hingegen waren eines der einzigen Unternehmen mit einem Produkt auf dem Markt, das den Virus nicht nur fangen, sondern infizierte Systeme darüber hinaus auch heilen konnte. Das gesamte WWW (nein, nicht nur Runet) war mit Links zu unserer Website übersät. Auf diese Weise wurden wir für unsere extrem schnelle Bedrohungsreaktion belohnt – dafür und für unsere Fähigkeit, schnelle Updates mit Verfahren zur Behandlung spezifischer Bedrohungen in die Wege zu leiten. All das, während sich diese spezifische Virengruppe unglaublich geschickt auf Windows-Speichern installierte und ausführbare Dateien infizierte. Diese Tatsache erforderte einen maßgeschneiderten Dissektionsprozess, der ohne die flexible Funktionalität von Updates nicht möglich gewesen wäre.

Also, ja: es war hart. Aber wir konnten tolle Ergebnisse und sind an uns selbst und als Unternehmen gewachsen. Und dann, zwei Monate später, wurde uns eine helfende Hand (des Schicksals?!) der unerwartetsten Art und Weise gereicht …

August 1998: die Russlandkrise, die die Abwertung des Rubels und die Zahlungsunfähigkeit Russlands zur Folge hatte. Für die meisten Russen war das eine besonders schlimme Zeit, aber wir hatten wirklich vieeeel Glück: All unsere ausländischen Partner zahlten uns im Voraus in Fremdwährung. Wir waren Exporteure. Während sich unsere Betriebs- bzw. Arbeitswährung auf einen stark abgewerteten Rubel belief, erreichte uns unser Einkommen in Dollar, Pfund Sterling, Yen usw. Wir waren also nicht nur im Geschäft, sondern auch gut bei Kasse!

Dennoch ruhten wir uns nicht auf unseren „glücklichen“ Lorbeeren aus. Wir nutzten die Zeit, um neue, professionelle – und vor allem teure! – Manager einzustellen. Und schon bald glänzten wir mit kaufmännischen, technischen und finanziellen Direktoren. Wenig später stellten wir dann auch Manager auf mittlerer Ebene ein. Das war unsere erste geschäftliche „Umstrukturierung“ – als das „Team“ zum „Unternehmen“ wurde und freundschaftliche, organische Beziehungen durch eine formellere Organisationsstruktur, Unterordnung und Rechenschaftspflicht ersetzt wurden. Die Umstrukturierung hätte schmerzhaft sein können; war sie aber nicht.

Für weitere Informationen über diese ganze Umstrukturierungssache empfehle ich das Buch Reengineering the Corporation von Michael Hammer und James Champy. Es ist wirklich gut. Andere nützliche Bücher – hier.

1999 eröffneten wir unser erstes Büro im Ausland – um genau zu sein, in Cambridge in Großbritannien. Aber, galt der britische Markt nicht damals schon als einer der schwierigsten Märkte? Also, warum ausgerechnet dort? Eigentlich war es reiner Zufall (mehr dazu weiter unten). Trotzdem mussten wir irgendwo anfangen, und unsere ersten Erfahrungen –einschließlich vieler Fehler und gewonnener Erkenntnisse – in Großbritannien haben dazu beigetragen, dass die Geschäftsentwicklung in anderen Ländern im Anschluss deutlich reibungsloser verlief.

Unsere erste Pressetour fand in London statt, da wir ohnehin für eine IT-Sicherheitskonferenz (InfoSecurity Europe) in der britischen Hauptstadt waren. Und auf eben dieser Pressetour verkündeten wir stolz unsere Absicht, unser erstes Auslandsbüro in Großbritannien zu eröffnen. Aber anstatt uns mit endloser Begeisterung und offenen Armen zu empfangen, fragten die Journalisten uns lediglich: Warum? Schließlich waren Unternehmen wie Sophos, Symantec, McAfee usw. bereits bequem im Land etabliert. Uns blieb in diesem Moment also nichts anderes übrig, als in den totalen Geek-Modus zu wechseln: Wir erzählten den Anwesenden alles über unser wirklich innovatives Unternehmen; über unsere einzigartigen Technologien und Produkte und warum wir genau deshalb um einiges besser waren (und es noch immer sind) als die zuvor genannte Konkurrenz. All dies wurde mit viel überraschtem Interesse zur Kenntnis genommen (ein weiterer Vorteil war übrigens, dass uns seither nie wieder eine wirklich dumme Frage gestellt wurde). Währenddessen hielt ich bei InfoSecurity Europe meine erste Rede vor einem englischsprachigen Publikum, das sich aus zwei Journalisten zusammensetzte, die sich als Freunde unserer Freunde im Virus Bulletin herausstellten und bereits so einiges über uns wussten! Das war übrigens das erste und letzte Mal, dass eine unserer Präsentationen nicht vollständig ausgebucht war (mehr Details hier).

So kam übrigens unsere erste Partnerkonferenz zustande:

Irgendwann im Winter 1998-1999 wurden wir zur Partnerkonferenz unseres OEM-Partners F-Secure (Data Fellows) eingeladen. Auf diese Weise wurde uns das gesamte Partnerkonferenz-Format nähergebracht; eine großartige Idee: alle zusammenzubringen, die neuesten Informationen über Technologien und Produkte auszutauschen, die Anliegen und Probleme der Partner zu erfahren und neue Ideen zu diskutieren. Kein ganzes Jahr später (1999) veranstalteten wir unsere erste eigene Partnerkonferenz; mit rund 15 Partnern aus Europa, den USA und Mexiko, die wir nach Moskau einluden. Auf dem Foto unten können Sie uns alle sehen; neben dem Roten Platz und dem Kreml:

Einige Bilder von unserem Event:

Eines unserer Mottos lautet: Work hard, play hard. Hier erstmals auf einer Partnerkonferenz umgesetzt.

Und das, liebe Leser, glaube ich, vervollständigt meine Chroniken bis zum Jahr 2000. Was nach 2000 geschah? … Ich glaube, ich muss meinem Gedächtnis erst einmal eine Pause gönnen. Lassen wir zunächst anderen Teilnehmern unserer faszinierenden Reise dorthin, wo wir heute sind, mit einigen ihrer persönlichen Erinnerungen, Emotionen und Anekdoten, den Vortritt. Von mir war es das vorerst. Vielen Dank für Ihr Interesse, ich hoffe, es hat Ihnen gefallen!

CYBERSICHERHEIT: WIE ALLES BEGANN – TEIL 1: 1989-1991

CYBERSICHERHEIT: WIE ALLES BEGANN – TEIL 2: 1991-1992

CYBERSICHERHEIT: WIE ALLES BEGANN – TEIL 3: 1991-199x

CYBERSICHERHEIT: WIE ALLES BEGANN – TEIL 4: CeBIT

CYBERSICHERHEIT: WIE ALLES BEGANN – TEIL 5: 1996 (der Wendepunkt)

CYBERSICHERHEIT: WIE ALLES BEGANN – TEIL 6: Die Medien

CYBERSICHERHEIT: WIE ALLES BEGANN – TEIL 6: 1997

Cybersicherheit: Wie alles begann – Teil 7: 1997 (Wir gründen Kaspersky Lab)

Ich bin zurück – und zwar mit noch mehr K-Cyber-Nostalgie. In diesem Beitrag versetzen wir uns zurück in ein ganz besonderes Jahr für das Unternehmen – das Jahr seiner Gründung! Und wie Sie dem Datum unserer Firmenregistrierung entnehmen können, fand diese Gründung am 26. Juni 1997 statt:

Read on: Cybersicherheit: Wie alles begann – Teil 7: 1997 (Wir gründen Kaspersky Lab)

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Cybersicherheit: eine neue Qualitätsdimension für Fahrzeuge

Viele scheinen zu glauben, dass das Auto des 21. Jahrhunderts rein mechanisch funktioniert. Sicher, die Elektronik verlieht dem Auto dieses und jenes Extra, aber dennoch ist es am Ende des Tages ein Geschöpf des Maschinenbaus: Fahrgestell, Motor, Räder, Lenkrad, Pedale usw. Die Auto-Elektronik, die heute sogar Computer umfasst, hilft lediglich der ganzen Maschinerie aus. Sie muss es tun, schließlich sind Armaturenbretter heutzutage ein Meer von digitalen Anzeigen, auf denen kaum noch analoge Zifferblätter zu sehen sind.

Der zweitrangigen Stellung der Elektronik muss ich jedoch widersprechen!

Ein Auto ist heute im Grunde ein spezialisierter Computer, quasi ein „Cyberhirn“, das die Mechanik und Elektrik steuert, die wir traditionell mit dem Wort „Auto“ assoziieren. Dazu gehören: der Motor, die Bremsen, die Blinker, die Scheibenwischer, die Klimaanlage und eigentlich alles andere.

Zur Veranschaulichung ein Beispiel aus der Vergangenheit: Die Handbremse war zu 100% mechanisch, da man sie mit der Hand anziehen musste. Dabei machte sie ein knirschendes Geräusch. Heute drückt man einfach leise auf einen Knopf. 0% mechanisch, 100% computergesteuert. Und so ist es mit fast allem.

Nun denken wohl die meisten, dass ein 100% computergesteuertes Auto ein selbstfahrendes Fahrzeug ist. Aber wenn ein Mensch hinter dem Lenkrad eines neuen Wagens sitzt, dann ist es der Mensch, der das Fahrzeug manuell und mechanisch fährt (und nicht ein Computer). Macht Sinn, aber auch hier muss ich Sie enttäuschen: dem ist nämlich nicht so!

Bei den meisten modernen Fahrzeugen besteht der einzige Unterschied zwischen denen, die selbst fahren, und denen, die von einem Menschen gefahren werden, darin, dass im letzteren Fall der Mensch die Bordcomputer steuert. Beim autonomen Auto werden Computer und Elektronik im ganzen Wagen von einem anderen, zentralen, sehr intelligenten Hauptrechner gesteuert, der von Firmen wie Google, Yandex, Baidu und Cognitive Technologies entwickelt wurde. Nachdem dem Computer ein Fahrtziel vorgegeben wurde, bearbeitet der Rechner dank mega-kluger Algorithmen ideale Fahrtroute, Umgebung, Geschwindigkeit usw. im Nanosekunden-Takt.

Eine kurze Einführung in die Geschichte der Digitalisierung der Fahrzeuge

Wann erfolgte der Wandel vom mechanischen zum digitalen Auto?

Einige Experten auf diesem Gebiet gehen davon aus, dass die Computerisierung der Autoindustrie im Jahr 1955 begann, als Chrysler ein Transistorradio als Sonderausstattung für eines seiner Modelle anbot. Diejenigen, die das Radio nicht einbeziehen, datieren den Beginn der Computerisierung des Autos unterschiedlich. Hauptsächlich werden jedoch folgende Meilensteine herangezogen: die Einführung der elektronischen Zündung durch Pontiac im Jahr 1963, die Erfindung des ABS durch Chrysler 1971 oder der elektronischen Motorsteuerung durch GM im Jahr 1979.

Unabhängig davon, wann sie begann, brachte Sie mit Sicherheit einen Stein zum Rollen: erst viel mehr Elektronik, dann wurde alles digitaler und letztendlich verschwamm die Grenze zwischen beiden. Ich persönlich erachte Februar 1986 als die Geburtsstunde der digitalen Revolution in der Automobiltechnik, als die Firma Robert Bosch GmbH auf dem Kongress der Society of Automotive Engineers der Welt ihr digitales Netzwerkprotokoll für die Kommunikation zwischen den elektronischen Fahrzeugkomponenten, dem sogenannten CAN (Controller Area Network), vorstellte. Und man muss die Jungs von Bosch loben: Auch heute noch ist dieses Protokoll absolut relevant und in praktisch jedem Fahrzeug auf der ganzen Welt im Einsatz!

 

Nerd-Exkurs: Die Automobil-Digitalisierung nach der Einführung von CAN

Die Jungs von Bosch gaben uns verschiedene Arten von CAN-Bussen (Low-Speed, High-Speed, FD-CAN), während es heute FlexRay (Übertragung), LIN (Low-Speed-Bus), optisches MOST (Multimedia) und schließlich On-Board-Ethernet (heute bis zu 100 MBit/s, in der Zukunft dürfen wir mit bis zu 1 GBit/s rechnen) gibt. Bei der Entwicklung von Fahrzeugen werden heutzutage verschiedene Kommunikationsprotokolle eingesetzt. Dank Drive-by-Wire ( Übertragung der Fahrzeugsteuerung durch elektrische Systeme statt mechanischer Verbindungen) besitzen wir heute elektronische Gaspedale, elektronische Bremspedale (die seit 1998 von Toyota, Ford und GM in ihren Hybrid- und Elektromobilen verwendet werden), elektronische Handbremsen, elektronische Getriebe und sogar eine digitale Lenkung (erstmals 2014 von Infiniti im Q50 eingesetzt).

BMW Busse und InterfaceBMW Busse und Interface

 

Im Jahr 2000 führte Honda (mit dem S2000) eine elektrische Servolenkung ein, die unter bestimmten Bedingungen das Rad selbst drehen kann. Etwa zur gleichen Zeit erschienen schlüssellose Zündsysteme, welche die Steuerung des Motors ohne Fahrer ermöglichten. Seit 2010 sind einige Anzeigen im Armaturenbrett vollständig digital und können fast alles anzeigen. Seit 2015 ist die Elektronik der Karosserie (Türen, Fenster, Schlösser usw.) in praktisch allen Neuwagen an den Zentralcomputer angeschlossen, der selbst Entscheidungen für sie treffen kann. Außerdem sind  alle Informationen über die Umwelt rund um das Auto, die über Kameras, Assistenten, Radare, Mikrofone usw. aufgenommen werden, für den internen Bus zugänglich, d. h, in der Cloud.

Ich möchte den kleinen Exkurs mit einem Dokument abschließen, das 2019 von der UNO verabschiedet wurde. In dem Dokument wurden Normen für die vollständige Digitalisierung der Bremsen eingeführt. Zuvor musste die elektronische Steuerung der Bremspedale durch ein physisches Kabel dupliziert werden. Jetzt nicht mehr…

Die Konnektivität oder der Tod

Welche Betriebssysteme verwenden heutige Fahrzeuge? Überraschen sollte es keinen: Windows, Linux, Android und QNX, das zusammen mit Linux das beliebteste ist (aber, wie Analysten betonen, holt Android sie schnell ein). Übrigens, wie jede Software müssen auch Auto-Betriebssysteme gelegentlich aktualisiert werden. Manche Updates können aber einige Dutzend Gigabyte groß sein. Autsch!

 

BMW-SoftwareupdatesBMW-Softwareupdates

 

 

Ich möchte noch kurz etwas erwähnen:

Also, wenn ein modernes Auto ein Computer ist und dieser regelmäßig aktualisiert wird, muss das doch bedeuten, dass es mit dem Internet verbunden ist, oder? Stimmt. Und heutzutage ist es für alle Neuzulassungen vorgeschrieben. Seit 2017 ist es in Russland (in Europa seit 2018) für alle Neuzulassungen Pflicht. Dadurch nähert sich der weltweite Anteil der „vernetzten Autos“, die mit der Cloud des Herstellers verbunden sind, rapide die 100%-Marke. Es gibt einige wenige Länder, in denen es Beschränkungen für solche Autos gibt, aber das scheint nur aufgrund veralteter Gesetze zu sein, die zwangsläufig irgendwann revidiert werden.

Übrigens erschien das erste vernetzte Fahrzeug bereits 1996 als Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen General Motors und Motorola: das Telematiksystem OnStar. Dieses kann sich im Falle eines Unfalls automatisch mit dem Notruf verbinden. Ja… so ähnlich wie in Stirb langsam 4.

Die Fahrzeug-Ferndiagnose kam 2001 auf den Markt und bis 2003 hatten die vernetzten Autos gelernt, wie man dem Hersteller Berichte über den Zustand des Autos übermittelt. Telematische Datenblöcke kamen 2007 hinzu.

Im Jahr 2014 war Audi das erste Unternehmen, das die Möglichkeit anbot, 4G-LTE-W-Lan-Hotspots in ein Fahrzeug einzubauen. 2015 bot GM nicht nur diese Option an, sondern begann damit, alle neue Modelle mit Hotspots auszustatten und erhielt mehr als eine Milliarde Datenberichte von Fahrzeugbesitzern! Heute haben die Hersteller sogar damit begonnen, die Telemetrie zu monetarisieren – mit BMW an der Spitze und Vorreiter bei der Konvergenz von Smartphone- und Automobiltechnologie.

Jetzt eine kleine Frage: Um was handelt es sich bei dem folgenden Screenshot? ->

 

Das, liebe Leser, ist Ihr Auto. So sieht es zumindest für den Hersteller aus (in Echtzeit, rund um die Uhr, für Leute, die beim Hersteller arbeiten und sich vielleicht auf der anderen Seite der Welt befinden). Es handelt sich um Software, die alle Steuergeräte, die Netzwerktopologie, Routing-Regeln, Loader, und Updates (kurz gesagt: alle Daten des Wagens) einsehen und modifizeren kann. In solcher Software befinden sich jedoch genügend Bugs und Schwachstellen, die einen erschaudern lassen können und man sich vor Gräuel wünscht, wieder zurück in die 80er Jahre zu kehren, als ein Auto noch ein Auto war und kein Computer. Es ist nicht nur meine Panikmache, denn die Bedrohungen sind real, liebe Leser!

Das, liebe Leser, ist Ihr Auto. So sieht es zumindest für den Hersteller aus (in Echtzeit, die ganze Zeit, für Leute, die beim Hersteller arbeiten, vielleicht auf der anderen Seite der Welt). Software, die alle Steuergeräte, die Netzwerktopologie, Routing-Regeln, Loader, Updates sehen und daran herumbasteln kann. Alle Daten des Wagens. Aber hier befinden sich genügend Bugs und Schwachstellen, die einen erschaudern lassen können und man sich vor Gräuel wünscht, wieder zurück in die 80er Jahre zu kehren, als ein Auto noch ein Auto war und kein Computer ). Und es ist nicht nur meine Panikmache. Die Bedrohungen sind echt.

 

Das Licht am Ende des Tunnels

Nach dem Fortschritt der letzten 20 Jahre fühlt es sich an, als stünde der Autoindustrie eine Revolution bevor! Eine strahlende Zukunft ultra-verbundener, computergesteuerter Autos ist ein schöner Traum, aber man sollte nicht die harte Realität vergessen, die sich sowohl gesetzlich als auch technisch in den Weg stellt. Lassen Sie kurz auf die technischen Hürden eingehen.

Das neue Automobil-Paradigma kann einfach nicht auf die allerneueste Autoelektronik-Architektur übertragen werden. Warum? Weil sich unter der Motorhaube eines neuen Autos heutzutage rund 150 elektronische Einheiten befinden, die von verschiedenen Herstellern zu unterschiedlichen Zeiten und nach unterschiedlichen Standards entwickelt wurden. Das alles, ohne die gesamte Cyber-Bedrohungslandschaft dieses neuen Auto-Paradigmas zu berücksichtigen!

Zumindest scheinen die Autohersteller zu verstehen, dass es einfach nicht in Frage kommt, eine utopische Car2X-Zukunft auf dem Schlamassel Durcheinander der unterschiedlichsten Elektronik eines modernen Autos aufzubauen (und es gibt viele Beispiele, die dies demonstrieren, und viele weitere, die es nie in die Presse geschafft haben). Für den Augenblick befindet sich die Automobilindustrie in einer Sackgasse.

Sackgassen wie diese sind üblich, vielleicht erinnern sich Sie noch an den langen Dualismus der beiden parallel existierenden Architekturen von Windows (9x und NT). Dennoch sehe ich zwei mögliche Szenarien, wenn man die in diesem Fall gewonnenen Erfahrungen kanalisiert, um der Sackgasse zu entfliehen, in der sich die Automobilindustrie jetzt befindet.

Erstes Szenario: Billig, fröhlich, schnell und falsch. Die Automobilhersteller würden es bei dem Durcheinander belassen. Das neue Paradigma kann einfach nicht auf die derzeitige Elektronik-Architektur eins Kraftfahrzeugs angewendet werden. Würde man dies tun, hätte man eine digitale Suppe aus über 150 Zutaten. Es würde auch das zweite Szenario verzögern, aber nicht, bevor es zunächst Leben bedroht (das sind fahrende Autos, keine stillstehenden PCs in der Ecke Ihres Zimmers), sowie einige ernsthafte Rufschädigungen und finanzielle Verluste mit sich bringt. Die Konsequenz: die Verbraucher wenden sich gegen die Wende.

Das zweite Szenario: Nicht billig, nicht schnell, aber richtig. Die Automobilhersteller entscheiden sich für den Bau/die Nutzung einer grundlegend neuen Architektur, die auf folgenden drei Hauptprinzipien basiert:

  • Trennung von Hardware und Software (Flexibilität)
  • Konsolidierung der elektronischen Funktionen (Handhabbarkeit)
  • „Secure by design“ (Sicherheit)

Die Automobilindustrie verfügt über viel Erfahrung und Know-how bezüglich der ersten beiden Prinzipien. Bezüglich des dritten Aspekts benötigen sie Lösungen von Experten mit hochspezialisiertem Wissen über die Cyber-Bedrohungslandschaft. Die Smartcars der Zukunft werden gehackt werden, wie wir es schon heute bei Computern und Netzwerken sehen. Und wer kennt diese Szenarien in- und auswendig? Sie Kennen die Antwort! Und nun also zum dritten und letzten Teil dieses etwas langen Blogposts: Was wir zu bieten haben.

Seit 2016 haben wir eine eigene Abteilung für Cybersecurity im Transportwesen. Im Jahr 2017 brachten wir den ersten Prototyp unserer Secure Communication Unit (SCU) auf den Markt, die, wie der Name andeutet, die Kommunikation zwischen den digitalen Komponenten eines Autos und den Infrastrukturkomponenten außerhalb des Autos sichert. Und schon heute verfügen wir über eine auf unserem eigenen sicheren Betriebssystem basierende Plattform für die Entwicklung elektronischer Automobilkomponenten.

Und im Juni dieses doch recht ungewöhnlichen Jahres fand ein weiteres damit zusammenhängendes Ereignis statt, über das ich Ihnen berichten möchte. Zusammen mit AVL Software and Functions GmbH haben wir die Entwicklung eines ebenfalls auf KasperskyOS basierenden Fahrerassistenzsystems (Advanced Driver Assistance System, ADAS) angekündigt, das den Fahrer unterstützt und das Unfallrisiko noch weiter senkt.

 

 

Die Einheit verfügt über zwei hochleistungsfähige System-on-a-Chip-Prozessor-Sicherheitssteuerungen und bietet umfangreiche Konnektivitätsmöglichkeiten einschließlich Verbindungen zu Kameras, Lidars und anderen verwandten Komponenten. Es unterstützt den neuen Standard AUTOSAR Adaptive Platform. Eine solche Konfiguration bietet zum einen „Secure-by-Design“ (mehr dazu finden Sie hier), zum anderen eröffnet sie eine ganze Reihe von Möglichkeiten für den Einbau, die Anpassung und die Aktualisierung von Fahrzeugfunktionen – ähnlich wie ein App-Store für ein Smartphone.

Aber hier ist das Entscheidende: Selbst wenn eine Schwachstelle in einer der Komponenten des Autos entdeckt wird, können Hacker keine gefährlichen Befehle ausführen oder sich Zugang zu anderen Komponenten verschaffen. Alle Prozesse sind vollständig isoliert, und ihr Verhalten wird durch ein Sicherheits-Subsystem mit angepassten Regeln gefiltert.

 

Schlusswort

Drücken Sie uns die Daumen: Mit unseren technischen Lösungen für die Automobilautomation sind wir einem echten Gewinner auf der Spur. Es ist ein heiß umkämpfter Markt, aber wir haben keine Konkurrenz, wenn es um den (entscheidenden) Nischenbereich der Cybersicherheit geht.

Und da wir Mitglieder von GENIVI und AUTOSAR sind und mit Foren (z.B. UNECE WP.29) und Branchenveranstaltungen auf dem Laufenden bleiben, sehen wir verschiedene Versuche neuer Architekturen anderer Herstellern, einschließlich Linux-basierter (nicht, dass Sie mich jemals in ein Auto mit Linux-basierter Architektur einsteigen sehen würden!). Aber nicht einer von ihnen bietet den breiten Horizont an Möglichkeiten und die erprobte Formel „Secure-by-Design“ – bei der Korrekturen und Fehlerbehebungen später einfach nie nötig sind.

Unsere Formel umfasst: (i) eine neu geschriebene Mikronanokernel-Architektur mit einem kompakten Code; (ii) granulare Komponenten-Kommunikationsregeln; (iii) vollständige Isolierung der Prozesse; (iv) Operationen, die in einem geschützten Adressraum ausgeführt werden; (v) Standardverweigerung; (vi) optionaler offener Quellcode für Kunden; (vii) Beispiele erfolgreicher Implementierung usw. Besonderheiten wie diese zeichnen unserer Betriebssystem aus und gerade diese Besonderheiten ziehen Automobilhersteller an, die die Dinge richtig machen wollen: zuverlässig und langlebig.

Aber das ist nicht alles, was die Hersteller anzieht.

Neben unserer nativen Sicherheit im Fahrzeug verfügen wir über ein atemberaubendes Portfolio an Infrastrukturlösungen und Dienstleistungen. Der Schutz des Autos der Zukunft ist nur ein Teil des Puzzles: Schutz von Backend-Daten, einschließlich Endpoint-Knotenpunkten, Cloud-Audits (um zu prüfen, ob Datenpannen möglich sind usw.), Entwicklung sicherer mobiler Anwendungen, Schutz vor Online-Betrug, Supply-Chain-Kontrollen, Penetrationstests für die Infrastruktur und vieles mehr. Denn wer will schon mit einem ganzen „Zoo“ verschiedener Anbieter zusammenarbeiten, um all diese Dinge getrennt voneinander zu erledigen?

Zum Schluss noch ein paar prägnante Zitate aus dem McKinsey-Bericht über die Cybersicherheit vernetzter Autos – meiner Meinung nach das genaueste und zukunftssicherste Analysematerial auf dem Markt:

„Automobilhersteller müssen Eigentum und Verantwortung für [die Cybersicherheit] entlang der Hauptaktivitäten der Wertschöpfungskette (auch unter ihren zahlreichen Zulieferern) übertragen und eine Sicherheitskultur einführen“.

„Automobilhersteller müssen die Cybersicherheit über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg und nicht nur bis zum Verkauf des Autos an einen Kunden berücksichtigen, da jederzeit neue technische Schwachstellen auftreten können.

„Automobilhersteller müssen die Cybersicherheit jetzt als integralen Bestandteil ihrer Kerngeschäftsfunktionen und Entwicklungsbemühungen betrachten.

In anderen Worten: Die Cybersicherheit wird eine neue Dimension der Qualität innerhalb der Automobilbranche werden.

 

YARA: Wie man schwarze Schwäne voraussagt und fängt

Es ist schon lange her, dass die Menschheit ein Jahr wie dieses hatte. Ich glaube nicht, dass ich jemals ein Jahr mit einer so hohen Konzentration von schwarzen Schwänen verschiedener Arten und Formen erlebt habe. Und ich meine nicht die Art von Schwänen mit Federn: Ich beziehe mich damit auf unerwartete Ereignisse mit weitreichenden Folgen. Die Theorie stammt von Nassim Nicholas Taleb, die in seinem im Jahr 2007 veröffentlichten Buch Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse behandelt wird. Einer der Hauptgrundsätze der Theorie basiert auf der Annahme, dass überraschende, schwerwiegende Ereignisse, die bereits eingetreten sind, im Nachhinein offensichtlich und vorhersehbar erscheinen. Doch ehe sie geschehen, sagt sie niemand voraus.

Ein Beispiel: der schreckliche Coronavirus, der die Welt seit März unter Verschluss hält. Es stellt sich heraus, dass eine ganze Corona-Virenfamilie existiert und dass regelmäßig neue Stränge gefunden werden. Katzen, Hunde, Vögel, Fledermäuse und Menschen können sich mit den Viren anstecken. Bei uns verursachen einige Coronaviren gewöhnliche Erkältungen. Andere manifestieren sich jedoch… anders. Deshalb müssen wir für sie Impfstoffe entwickeln, wie wir sie auch für andere tödliche Viren wie Pocken, Polio und andere getan haben. Sicher, aber ein Impfstoff kann nicht immer viel helfen. Schauen Sie sich die Grippe an, wir haben immer noch keinen Impfstoff und das seit… unzähligen Jahrhunderten? Wie dem auch sei, selbst um einen Impfstoff zu entwickeln, muss man wissen, wonach man sucht, und das ist offensichtlich mehr Kunst als Wissenschaft.

Also, warum erzähle ich Ihnen das? Nun, wenn ich schreibe, wird es wohl zwangsläufig entweder mit Cybersicherheit oder exotische Reisen zu tun haben. Heute handelt es sich jedoch um Ersteres.

Eine der gefährlichsten Cyber-Bedrohungen unserer Zeit sind Zero-Day-Schwachstellen. Hierbei handelt es sich um seltene, (u. a. für Cyber-Sicherheitsexperten) unbekannte Schwachstellen in Software, die großflächige Schäden anrichten können. Die Zero-Day-Schwachstellen neigen aber dazu, solange unentdeckt zu bleiben, bis sie entweder für Angriffe ausgenutzt werden oder vorher entdeckt und gepatcht werden.

Cybersicherheitsexperten haben jedoch Tools, um mit solchen Unsicherheiten umzugehen und schwarze Schwäne vorherzusagen.

In diesem Beitrag möchte ich über ein solches Hilfsmittel sprechen: YARA.
YARA unterstützt die Malware-Erforschung und -Erkennung durch die Identifizierung von Dateien, die bestimmte Bedingungen erfüllen. Es bietet einen regelbasierten Ansatz zur Erstellung von Beschreibungen von Malware-Familien auf der Grundlage von Text- oder Binärmustern. (Das klingt kompliziert, deshalb erkläre ich es Ihnen). Daher wird es zur Suche nach ähnlicher Malware durch die Identifizierung von Mustern eingesetzt. Man möchte damit bestimmte Schadprogramme aufdecken, die so aussehen, als seien sie von denselben Machern und für ähnliche Ziele konzipiert worden.

Costin Raiu von GReAT untersuchte den geleakten E-Mail-Verkehr von Hackern Teams und erstelle aus dem Nichts eine YARA-Regel zusammen, die einen Zero-Day-Angriff entdeckte.

Nun, wenden wir uns einer anderen Metapher zu. Und da ich ja schon über schwarze Schwäne gesprochen habe, möchte ich eine weitere Wasser-basierte Metapher verwenden: das Meer.

Nehmen wir an, Ihr Netzwerk wäre der Ozean, der voll von Tausenden von Fischarten ist. Sie sind ein Industriefischer, der mit seinem Schiff auf dem Meer unterwegs ist und riesige Netze auswirft, um die Fische zu fangen. Für Sie als Fischer sind aber nur bestimmte Fischarten von Interesse (bei den Fischarten handelt es sich um Malware von bestimmten Hackergruppen). Nun, das Netz ist besonders, da es quasi Trennwände besitzt und nur Fische einer bestimmten Fischart (also nur bestimmte Malware-Merkmale) in jeder dieser Kammern gefangen wird.

Am Ende Ihres Seegangs haben Sie eine Menge Fische, die alle innerhalb des Netzes sortiert sind. Einige gefangene Exemplare haben Sie noch nie zuvor gesehen (neue Malware-Proben). Aber wenn Sie sich Ihren sortierten Fang ansehen, können Sie diesen neuen Fisch mit den sonst üblichen Fischen vergleichen: „Sieht aus wie Fisch [Hackergruppe] X aus“ oder „Sieht aus wie Fisch [Hackergruppe] Y aus“.

Dieser Artikel bezieht sich auf einen Fall, der die Fisch/Fischerei-Metapher gut veranschaulicht. Im Jahr 2015 spielte unser YARA-Guru und Chef von GReAT, Costin Raiu, den Cyber-Sherlock, um einen Exploit in Microsofts Silverlight-Software zu finden. Ich empfehle Ihnen, diesen Artikel zu lesen, dennoch resümiere ich kurz den Sachverhalt: Raiu untersuchte sorgfältig den geleakten E-Mail-Verkehr zwischen Hackern, um daraus praktisch wie aus dem Nichts eine YARA-Regel zusammenzustellen. Diese trug dazu bei, die Schwachstelle zu finden und so die Welt vor großen Problemen zu schützen. (Die geleakte E-Mail-Korrespondenz wurde von der italienischen Firma HackingTeam zur Verfügung gestellt. Hierbei handelt es sich um Hacker, die böse Hacker hacken!)

Und was diese YARA-Regeln angeht…

Wir lehren seit Jahren die Kunst der Erstellung von YARA-Regeln. Die Cyber-Bedrohungen, die durch YARA entdeckt werden, sind ziemlich komplex. Deshalb haben wir die Kurse immer vor Ort, persönlich, offline und nur für eine kleine Gruppe von Spitzenforschern im Bereich der Cybersicherheit durchgeführt. Natürlich ist das Abhalten der Offline-Schulung seit März wegen der verschiedenen Distanzierungsmaßnahmen sehr schwierig geworden, aber die Notwendigkeit der Ausbildung ist kaum verschwunden, und wir haben in der Tat keinen Rückgang des Interesses an unseren Kursen festgestellt.

Die Kursabsolventen erhalten ein Zertifikat, das ihren neuen Status als YARA-Ninja bestätigt. Frühere Absolventen sind der Meinung, dass dies ihrer beruflichen Karriere zugute kam.

Das ist natürlich selbstverständlich: Cyber-Bösewichte denken sich immer raffiniertere Angriffe aus, erst recht, wenn sie zuhause eingesperrt sind. Dementsprechend wäre es schlichtweg falsch gewesen, unser spezielles YARA-Know-How während der Quarantäne für uns zu behalten. Deshalb haben wir uns entschlossen, (1) unser Trainingsformat auch online anzubieten und (2) es für jeden zugänglich zu machen. Es ist nicht kostenlos, aber für einen solchen spezialisierten Kurs ist der Preis sehr wettbewerbsfähig und auf Marktniveau.

 

Wir stellen vor:

Jagen Sie APTs mit YARA wie ein GReAT Ninja.

 

Was noch? Ah, ja.

Angesichts der anhaltenden virenbedingten Probleme auf der ganzen Welt unterstützen wir weiterhin die Menschen, die an vorderster Front kämpfen. Seit dem Beginn der Corona-Pandemie vergeben wir kostenlose Lizenzen im Gesundheitsbereich. Jetzt wollen wir auch einer Vielzahl von gemeinnützigen NGOs einbinden, die in verschiedenen Bereichen für Rechte einstehen oder sich dafür einsetzen, den Cyberspace zu einem besseren Ort zu machen. Für sie wird unsere YARA-Schulung kostenlos sein (hier finden Sie eine Gesamtübersicht der NGOs).

Warum? Weil NGOs mit sehr sensiblen Informationen arbeiten, die bei gezielten Angriffen gehackt werden können. Nicht alle NGOs können sich den Luxus einer dezidierte IT-Sicherheitsabteilung leisten.

Online-Cybersicherheitstraining: Interaktive Praxis mit der YARA-Regel

 

Kurzbeschreibung des Kurses:

  • 100% online, selbstgesteuertes Lernen. Sie können den Kurs intensiv an ein paar Abenden oder über einen Monat verteilt absolvieren.
  • Eine Kombination aus Theorie und praktischen Aufgaben. Es gibt ein virtuelles Labor zur Schulung im Schreiben von Regeln und zur Suche nach Malware-Beispielen in unserer Sammlung.
  • Praktische Übungen anhand Fallbeispielen echter Cyberspionage-Angriffe.
  • Ein Modul über die Kunst der Recherche nach etwas Unbekanntem, wenn die Intuition auf ein verstecktes Cyberübel hinweist, aber man nicht genau weiß, wo es sein könnte.
  • Ein Abschlusszertifikat, das Ihren neuen Status als YARA-Ninja bestätigt. Frühere Absolventen bestätigten uns, dass das Zeugnis der Karriere hilft.

Online-Übung Cybersicherheit: BlueTraveller

Die Katze ist aus dem Sack: Ein weiteres äußerst nützliches Tool in Ihrem Repertoire zur Bekämpfung hoch entwickelter Cyber-Bedrohungen. In der Zwischenzeit geht hier bei K alles wie gewohnt weiter. Wir setzen unsere Cyber-Detektivarbeit fort, damit wir noch mehr von unserem allerneuesten Know-how und unserer praktischen Erfahrung im Kampf gegen das Böse weitergeben können.

Cybernachrichten der dunklen Seite: Ungeahnte Schwachstellen, Angriffe als Dienstleistung und spaceOS

Der erste Sommermonat in der Quarantäne: Überlebt! Und auch wenn es jetzt so scheint, als ob das Leben wieder langsam zurückkommt, haben wir uns bei K dafür entschieden, keine Risiken einzugehen. Wir arbeiten praktisch permanent im Homeoffice. Das heißt aber nicht, dass wir weniger effektiv arbeiten, denn wir arbeiten weiterhin effizient und sorgfältig, da die Cyberkriminalität weiterhin ihr Unwesen treibt. Tatsächlich hat sich das globale Bedrohungsbild in der letzten Zeit nicht wesentlich zum Besseren verändert, denn die Cyberkriminellen haben jeden Tag neue Tricks auf Lager. Hier einige Angriffe, die letzten Monat stattfanden.

Zero-Day-Schwachstelle im doch „so sicheren“  linuxbasierten Tails OS.

Facebook weiß sicherlich, wie man Geld ausgibt. Es stellt sich nämlich heraus, dass Facebook eine sechsstellige Summe für das Sponsoring eines Zero-Day-Exploits im Betriebssystem Tails (=Linux, aber mit zahlreichen Privatsphärefunktionen) an eine FBI-Untersuchung bezahlt hat, die folglich zur Verhaftung eines Pädophilen geführt hat. Es war schon vorher bekannt, dass dieser paranoide Geistesgestörte dieses besonders sichere Betriebssystem benutzte. Der erste Schritt von Facebook nutzte die immense Kontenmapping-Kraft, um alle Accounts, die der Kriminelle nutzte, zu verknüpfen. Dieser Cybersieg verhalf jedoch nicht zu einer genauen Anschrift. Offenbar haben sie die Entwicklung eines Exploits für einen Videoplayer in Auftrag gegeben. Die Wahl war klug, da er die Videos seiner Opfer auf dem selben Rechner bestellen, downloaden und sehen würde.

Informationen zufolge wurden die Entwickler von Tails nicht über die ausgenutzte Schwachstelle informiert, aber es stellte sich heraus, dass sie schon bereits gepatcht war. Die Mitarbeiter des Unternehmens sind sich all dessen bewusst, aber es ist klar, dass dies nicht die beste Publicity für sie ist

Es besteht immer noch die Hoffnung, dass dieser Exploit einzigartig und ausschließlich dem Fangen des Verbrechers gewidmet war und dass sich dies bei keinem normalen Benutzer wiederholen wird.

Die Schlussfolgerung: Egal wie sicher ein Linux-basiertes Projekt ist, es gibt keine Garantie dafür, dass es keine Schwachstellen enthält. Um dies zu gewährleisten, ist es notwendig, alle grundlegenden Arbeitsprinzipien und die Architektur des gesamten Betriebssystems zu überprüfen. Eine gewagte gute Gelegenheit, kurz auf das hier zu verweisen.

Angriffe als Dienstleistungen

Hier eine weitere Geschichte über maßgeschneiderte Cyberboshaftigkeit. Die (angeblich indische) Cyberkriminellengruppe Dark Basin ist auf frischer Tat ertappt worden. Diese Gruppe ist für mehr als tausend Angriffe verantwortlich, für die sie angeheuert wurden. Zu ihren Angriffszielen gehören Bürokraten, Journalisten, politische Kandidaten, Aktivisten, Investoren und Geschäftsleute aus mehreren Ländern. Interessanterweise verwendeten die Cyberkriminellen in Delhi wirklich einfache und primitive Tools: Zuerst erstellten sie Phishing-E-Mails, in der sie sich als Kollegen oder Freunde ausgaben, dann imitierten sie Google News-Nachrichten und versendeten die Links per Direktnachricht in Twitter, oder verwendeten Phishing-Seiten, die genau so aussahen, wie ihr offizielles Pendant. Alle aufgezählten Angriffe nur für einen Zweck: Anmeldedaten. Mit den Anmeldedaten in der Tasche plunderten sie alles, was ihnen in die Quere kam. Sie lesen richtig! Ohne Malware, ohne komplexe Exploits!  Und übrigens: Es scheint, als ob die Auftraggeber den Verbrechern nützliche Informationen über das Opfer zugespielt haben.

Cyberkriminalität auf Anfrage! Extrem beliebt und seit Jahrzehnten existent. In diesem Fall übertrafen sich die Cyberkriminellen jedoch selbst, indem Sie Tausende von Treffern auslagerten.

SpaceX, Starlink, Linux …

Haben Sie sich jemals gefragt, welches Betriebssystem und welche Software SpaceX verwendet? Nun, erst vor kurzem haben wir es herausgefunden: Intel-basiertes Linux! Und die Logik der eingebetteten Software ist in C/C++ geschrieben.

Andererseits verwendet das große Satellitennetzwerkprojekt Starlink einen gepatchten PREEMPT_RT Echtzeit-Kernel, damit das Betrieb in harter Echtzeit besser funktioniert.

Der Gründer von Linux, Linus Torvalds, sagte dazu etwas Interessantes: „Einen Laser mit Linux zu steuern, ist verrückt, aber jeder in diesem Raum ist ein wenig verrückt. Wenn Sie jedoch einen Schweißlaser unter Linux steuern wollen, empfehle ich Ihnen die Verwendung von PREEMPT_RT„. Und es stellt sich heraus, dass die Ingenieure von SpaceX damit Treiber für ihre Raumfahrt-Hardware schreiben. Und was die Sicherheit von Starlink betrifft, so verspricht sie eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, um das Risiko für Benutzerdaten, Angriffe auf einen Satelliten oder Gateways zu verringern. Darüber hinaus wird nur signierte SpaceX-Software verwendet. Aber die Hauptsache ist, dass es unter Linux Möglichkeiten gibt, eine unzuverlässige Datei mit Hilfe einer zuverlässigen Datei zu starten…

Insgesamt ist an dieser Geschichte nichts Überraschendes. In der Vergangenheit wurden Betriebssysteme speziell für ein Projekt entwickelt, während es heute keinen solchen Bedarf gibt. Linux ist einfacher und billiger. Übrigens: Die ISS läuft seit langem auf einem Linux-Klon. Ich frage mich, welche Software andere Weltraumprogramme wohl benutzen…

 

Cybersicherheit: Wie alles begann – Teil 6: Die Medien

Letzte Woche wurde mir klar, dass ich mich schon ein ganzes Vierteljahr lang in Quarantäne befand. Drei Monate saß ich zu Hause, mit nur ein paar kurzen Ausflügen in das verlassene Büro, plus jedes Wochenende in der Datscha mit der Familie. Wie für alle von uns war es kein außergewöhnlicher Alltag. Für mich hieß es: keine Flugzeuge oder Flughäfen, keine Hotels, keine Geschäftsreisen oder Reden: kurz gesagt – sehr wenig Reisen.

Aber alles ist relativ: In drei Monaten hat die Menschheit über 230 Millionen Kilometer zurückgelegt (ein Viertel einer vollen Umlaufbahn der Erde um die Sonne)! Und das ohne die Berücksichtigung der Tatsache, dass sich das Sonnensystem selbst sich mit einer verrückten Geschwindigkeit fortbewegt. Eine Sache, die sich seit dem Beginn der Quarantänemaßnahmen nicht wirklich geändert hat, sind die Geschäftstreffen. Die wurden einfach alle online abgewickelt. Ah ja, alle unsere Geschäfte laufen wie gewohnt ab, unabhängig von biologischen Viren 😉 .

Aber genug vom Quarantäne-Talk. Sie sind es wahrscheinlich sowieso leid, etwas im Zusammenhang mit Corona zu hören. Dementsprechend setze ich heute meine Anekdoten aus der Cyber-Vergangenheit fort. Dieses Mal möchte ich über die vergangenen Interviews mit Zeitungen, Zeitschriften, Radio, Fernsehen und verschiedenen anderen öffentlichen Auftritten schreiben. Der Gedanke kam mir erst dank meiner CeBIT-Erinnerungen (Teil 4) und die dazugehörige Interview-Hölle. Und es stellt sich heraus, dass ich Ihnen vieles über meine Erfahrungen mit den Medien und meinen öffentlichen Auftritten als Redner zu berichten habe. Vieles davon ist lustig und ungewöhnlich! Wie schon in den vorherigen Teilen zeige ich Ihnen auch ein paar Fotos :).

Und es werden auch alle möglichen unterschiedlichen Größen und Geschmacksrichtungen von Mediengeschichten auftauchen: von Reden in praktisch leeren Hallen bis hin zu überfüllten Stadien! Von unbekannten winzigen lokalen Medienpublikationen bis hin zu globalen Medienschwergewichten der Spitzenklasse! Von professionellen Vorträgen an führenden Universitäten bis hin zu informellen Vorträgen über die Wunder der Arithmetik auf einem Schiff, das über die Drake-Passage in die… Antarktis fuhr! Eugene ist der Name; das Unerwartete, meine Spezialität :).

Fangen wir also ganz am Anfang an…

Irgendwie habe ich von Anfang an, also in den frühen 90er-Jahren, intuitiv die Bedeutung und Notwendigkeit von PR-Arbeit erkannt. Also tat ich, was ich konnte: Ich schrieb Artikel, die in Computermagazinen veröffentlicht wurden und schon früh hatte auch meinen ersten Vorgeschmack  des Halten von Vorträgen auf Konferenzen. Aber das waren alles nur Babyschritte! Ich sehnte mich nach mehr und schon früh wusste ich, dass „mehr“ kategorisch notwendig war.

Damals wurden Antiviren-Themen noch als Teil der echten „Cybersicherheit“ bezeichnet. Viren waren nur eine Art Kinderspiel, kaum professionell und sicherlich nicht das, was Erwachsene taten. Aber aus irgendeinem Grund hatte ich das Gefühl, dass das nicht richtig war und dass der Kampf gegen das Cyberböse erst am Anfang stand. Und dass es nicht bei „Computerschädlingen“ und  Entstehung nicht nur auf das Bedürfnis der autodidaktischen Teenager nach Selbstbestätigung zurückzuführen war. Manchmal standen geschickte Fachleute hinter ihnen, aber nicht für Geld (damals gab es kein Geld im/über das Internet). Stattdessen waren sie auch nur daran interessiert, irgendein seltsames Bedürfnis zu befriedigen, sich als „großartig“ zu beweisen oder so. Dementsprechend konnte man es nicht als Cyber-Kriminalität bezeichnen, sondern nur als Cyber-Hooliganismus (oder kindisches Cyberverhalten:) ).

Das besonders akute Bedürfnis, alles zu erzählen, was ich über Computerviren und die Antivirenprogramme und Technologien zu ihrer Bekämpfung wusste, überkam mich nach der CeBIT 1992 – meiner ersten globalen IT-Messe im Ausland überhaupt. Ich wurde fast besessen von der Idee, dass „die Leute das wissen müssen!“, aber damals interessierte sich niemand in den Medien dafür, da auch kaum jemand in der breiten Öffentlichkeit daran interessiert war.  Das Thema Antivirus war nämlich noch ganz neu. Was habe ich also getan? Ich habe mich selbst interviewt! Ich schrieb eine Liste von Fragen, beantwortete sie, schickte alles an die russische Zeitschrift Computer Press. Mein von mir gehaltenes Q&A-Interview wurde in der Ausgabe vom Mai 1992 veröffentlicht!

In diesem Selbstinterview behauptete ich, dass das vielversprechendste Potenzial für die russische Computerindustrie damals nicht der Bau und der Verkauf von Endprodukten war (das war damals unmöglich). Vielmehr empfahl ich die Entwicklung und den Verkauf der Technologie, die später in die Produkte im Westen und/oder im Osten integriert wurde. Und wie sich herausstellte, wurde fünf Jahre später genau das, also die Lizenzierung unserer Antiviren-Engine (an die Finnen), zum Hauptgeschäft unseres Unternehmens! Dank dieser Lizenzvergabe überlebten wir als Unternehmen und bauten wir unser Kapital auf, um in die Entwicklung neuer Technologien zu investieren. Wir verfeinerten unsere Produktpalette und eroberten später den globalen Markt. Man sollte sich also wirklich Gedanken machen, was man sich in Selbstinterviews für die Zukunft wünscht!

Nachdem ich mir mit dem Selbstinterview etwas Erfahrung angeeignet hatte, nahm meine Medienaktivität einfach weiter zu. Ich war an ein paar weiteren Artikeln beteiligt. Einer davon war nur ein relativ kurzer Artikel, in dem zwei Kollegen und ich interviewt wurden, aber, wie schon bei Computer Press, war es sehr wegweisend für mich. Er erschien in der britischen Zeitschrift Virus Bulletin und trug den Titel: „Die Russen kommen!“ (Ha, ha… sehr lustig). Die Sache ist die – der Titel war wahr. Wir wollten kommen! Ich spule kurz ins Jahr 2007 vor: Unser Umsatz überholte die etablierte britische AV-Firma Sophos, also gerade das Unternehmen, das Virus Bulletin selbst gegründet und geleitet hat! Man sollte sich also Gedanken machen, worüber man sich lustig macht 😉 .

Weiter geht’s….

1994 gewannen wir den allerersten groß angelegten internationalen Wettbewerb für Antiviren-Tests der Universität Hamburg. Der Sieg an sich: super! Die namentlichen Erwähnungen, die wir danach in verschiedenen Fachpublikationen immer wieder bekamen: ein Mega-Bonus! Und etwa zu dieser Zeit begannen wir neben unserer regelmäßigen Teilnahme an der CeBIT auch die ersten großen aber zaghaften Schritte auf PR-Plattformen anderer Länder zu unternehmen. Zum Beispiel in Großbritannien, wo mir zwei Geschichten besonders in Erinnerung geblieben sind…

Wann genau die Erste stattfand, weiß ich nicht mehr. Irgendwann im Jahr 1999 wagten wir den Sprung und organisierten eine Pressetour für die britische Presse. Wir verschickten Einladungen, buchten einen Konferenzraum in einem Londoner Hotel und flogen ein. Die Hoffnungen waren groß…, aber es lief nicht ganz so, wie wir uns es gewünscht hatten. Praktisch alle Journalisten, die nacheinander zu uns kamen, sagten ziemlich genau dasselbe: „In Großbritannien haben wir Symantec, McAfee, Trend Micro und sogar Sophos. Wozu brauchen wir euch Jungs?!“

Meine Antwort? „Wieso? Wegen unserer einzigartigen und besseren Technologien. Weil wir viel besser als der Rest die furchterregendsten polymorphen, mutierenden Computerviren einfangen können. Da unsere Programme Archive und Installationsprogramme sehr präzise nach infizierten Dateien durchsuchen können (niemand sonst kam auch nur annähernd an uns heran); und zu guter Letzt: weil wir eine völlig einzigartige Technologie zur Abwehr der damals häufigsten Kopfschmerzen von IT-Experten, den sogenannten Makroviren, besitzen!“ Darauf hin murmelte der Journalist: „Ah. Ich verstehe. Interessant… (Wo ist mein Stift?), was war das?… Polymorph… makro… Wie bitte!?“

Die zweite kuriose Geschichte aus England fand etwas später im Jahr 2000 statt, als wir uns trauten, auf der Londoner Cybersecurity-Konferenz Infosecurity Europe einen Vortrag zu halten. Wir hatten eine Ankündigung veröffentlicht, den Raum gebucht, und als die Zeit gekommen war, warteten wir auf die „Massen“. Und sie strömten herein! Zu meiner Rede kamen gerade mal zwei Personen, die sich als Vertreter von Virus Bulletin herausstellten, die wir schon seit Jahren kannten. Unbeeindruckt erzählte ich dem Paar alles über die neuesten Cyber-Scheußlichkeiten und prognostizierte, wie die cybernahe Zukunft aussehen würde, als ob der Saal mit mehreren Hunderten Anwesenden gefüllt gewesen wäre.

In Russland haben wir ein Sprichwort, das besagt, dass „der erste Pfannkuchen immer ein Klumpen ist.“ Nun, das ist sicher die richtige Redewendung für meinen ersten Auftritt in London, denn aller Anfang ist schwer. Aber niemand hat jemals gesagt, dass es sinnlos wäre, den ersten Pfannkuchenklumpen in der Pfanne zu wenden. Es war eine wichtige Erfahrung für mich – ein erster, notwendiger Schritt in die richtige Richtung hin zu ernsthafter PR- und Medienarbeit. // Tatsächlich meinen einige, dass der Raum aufgrund der Uhrzeit praktisch leer war, denn wir hatten ihn gegen Mittag gebucht. Alle dachten an ihren Hunger und nicht an Cybersicherheit! Aus Fehlern lernt man. Im folgenden Jahr wählten wir eine passendere Zeit, und der Raum war voll – so voll, dass einige Leute an den Wänden klebten und in den Gängen stehen mussten!

Seit London habe ich meine Reden fortgesetzt, manchmal in kleinen Räumen, manchmal in riesigen Sälen, wie z. B. beim Bosch Connected World Event im Februar 2018:

Und es versteht sich von selbst, dass diese Reden überall gehalten wurden, da wir als Unternehmen auch stetig expandieren. Denn der Cyberschmutz ist überall. Eine weitere Anekdote, diesmal in den USA:

San Francisco irgendwann in den 2000er-Jahren. Nun, es gefällt mir nicht besonders, früher als nötig in den Saal zu kommen, wenn ich eine Rede halten muss. Meistens vertreibe mir die Zeit, bleibe in der Nähe des Saals und betrete den Saal erst wenige Minuten vor der Rede (sofern es möglich ist). Für die RSA kam ich jedoch so spät an, dass… der Sicherheitsmann mich nicht hineinlassen wollte! „Es ist voll!“ Er dachte wohl, dass ich Teil des Publikums war. „Aber ich bin der Redner!“, sagte ich ihm, während die Zeit tickte. Nach einer Kontrolle ließ er mich durch, und ich schaffte es gerade noch so für die Rede).

Eine weitere witzige Geschichte stammt von der Virus-Bulletin-Konferenz im Jahr 2001. Ich durfte die Eröffnungsrede halten, um den Tenor der Konferenz zu bestimmen. Und da eine solche Einladung nicht so oft ausgesprochen wird, beschloss ich, etwas mehr zu tun als nur meine Rede zu halten. Etwas… Verrücktes…

Also haben wir zusammen mit zwei Kollegen eine ganz schöne Show auf die Beine gestellt: eine lustige, alternative Computervirus-Version des Kultfilms Zurück in die Zukunft mit Marty McFly, Doc, dem zeitreisenden DeLorean und vielem mehr. Und es war ein Kracher! Das Publikum lachte sich tot :). Merkwürdigerweise wurde nach unserer Keynote für mehrere Jahre keine Eröffnungsrede für die Virus Bulletin-Konferenz gehalten!

Einige Details zu der Rede finden Sie hier.

Was das größte Publikum anbelangt, vor dem ich jemals eine Rede gehalten habe… das war in China, und da gibt es eine ganze Menge zu erzählen. Der Leiter unseres Büros in China hatte ein Musikkonzert organisiert, zu dem einige der besten Sänger des Landes eingeladen waren. Das Konzert fand in einem praktisch vollen… Pekinger Nationalstadion statt – ja: jenem Olympiastadion mit dem verrückten, völlig einzigartigen Design – dem Vogelnest (übrigens  war das genau ein Jahr nach den Olympischen Spielen in Peking im Jahr 2008). Wir hatten also eine Besetzung mit Top-Popstars und ein paar Nummern von keinem Geringeren als Jackie Chan. Kurz gesagt – OMG; und das alles unter dem Banner unserer chinesischen Marke Kabasiji!

Zur Halbzeit des Programms musste ich also auf das Plateau mitten im Stadion, um ein paar Worte zu sagen (Danke an alle für ihr Kommen oder so etwas) und dass an die über 70.000 Leute auf der Tribüne! Also zog ich die traditionelle chinesische Jacke an, schwitzte furchtbar und bedankte mich. Aber es lief nicht so wirklich am Schnürchen: Mein bisher größtes Publikum… und natürlich musste es einen Patzer geben…

Von Anfang an wurde ich gebeten, meine Dankesworte auf Russisch auszudrücken, damit die Fernsehmoderatorin es ins Chinesische dolmetschen konnte (tatsächlich hatte Sie die Übersetzung meiner geplanten Rede auf Papier in ihrer Hand). So lief das auch während der Probe ab. Aber dann sagte jemand kurz vor dem Start des Events, dass es ausländische Gäste kommen würden und es besser sei, auf Englisch zu reden. Ich versuchte, es beim Russisch zu belassen (der russische Botschafter war dort und das hätte ihm sicherlich gefallen), aber sie blieben standhaft. Der Moment der Wahrheit näherte sich, und dann hatte ich meine 15 30 Sekunden Ruhm auf dem Plateau. Unsere Gesichter wurden auf den großen Bildschirmen des Stadions übertragen. „Danke für Ihr Kommen!“ und ein paar andere Worte der Dankbarkeit hallten auf Englisch durch das Stadion und ich wartete… auf die Verdolmetschung. Aber sie schaute mich nur an und fragte mich nur: „Und auf Russisch?“ Sie wurde nicht von den Programmänderungen informiert! Höhere Gewalt. Huch! Die Worte auf dem Papier passten nicht zu meinen Worten auf Englisch (oder so ähnlich). Und da glotzten wir uns einfach nur an, verwirrt, und wir beide dachten nur „Ups“ (um es milde auszudrücken). Es kam uns wie eine Ewigkeit vor! Gnädigerweise schien es niemanden zu stören, denn der Applaus hallte durch das Stadion!

Aber am Ende haben wir es dann irgendwie doch noch geschafft. Schließlich sagte ich: „Ah – pa-russky?“ und hielt den Rest der Rede auf Russisch. Die Augen der Moderatorin leuchteten erleichtert auf, und sie fuhr fort, rasch ins Chinesische zu „übersetzen“. Pheeeew. Erledigt. Noch mehr Lächeln, etliche Verbeugungen und vorbei war’s! Danach ging ich zurück auf die VIP-Tribüne…, um mich aus meiner grünen traditionellen chinesischen Jacke auszuwringen!

Ich schätze, jede andere Geschichte, die ich Ihnen nach der Story in Peking erzählen würde, würde etwas schwach ausfallen. Ja, ein bisschen vielleicht… aber ich habe noch ein paar witzige Anekdoten auf Lager..

Wie damals, als ich 2010 auf unserem Sicherheitsanalytiker-Gipfel (SAS) in Zypern war: mein Fernsehinterview dort.. nun ja.. das war mitten im Ufer! Nicht meine Idee, ehrlich! Es waren diese beiden deutschen Journalisten, die tatsächlich ins Wasser kamen, um mich zu interviewen ;).

Hier ist ein weiteres Fernsehinterview, diesmal am Strand von Cancún (wo wir drei Konferenzen hintereinander hatten). Ich kann mich nicht beschweren: die Meeresbrise ist wesentlich besser als ein muffiges Büro oder ein Konferenzzentrum ;).

Dann gibt diese komischen Situationen, in denen ich mich manchmal befinde, während die Kamera läuft… nun, warum nicht? Wie letztes Jahr, im Sommer 2019, als ich während einer Bootsfahrt auf den Kurilen-Inseln eine amerikanische Gruppe von Dokumentarbloggern interviewte, die auf der Robbeninsel Tjuleni unter dem überwältigenden Lärm der Vögel einen Film über den russischen Osten drehten.

Oder als ich einen Vortrag auf dem Forschungsschiff Akademik Sergey Vavilov hielt, das mit einer internationalen Gruppe moderner Künstler in die Antarktis unterwegs war. Wir hatten viel Freizeit, also sangen wir nachmittags Lieder, während wir tagsüber interessante Geschichten austauschten. Als ich an der Reihe war, erzählte ich cyber-inspirierten Geschichten, während ich bei einer anderen Gelegenheit über die Arithmetik scherzte: z. B. wie man mit den Zahlen 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9 und 10 die Zahl 2017 erhält. Ersteres hat sie beeindruckt und Zweiteres sogar mehr!

Ich weiß, dass es in Sachen Medien andere bizarre Schauplätze und Situationen gegeben hat, aber da müsste noch weiter in meinem Fotoarchiv graben. Leider muss ich aber auch zugeben, dass ich nicht alle Zeit der Welt habe. Denn auch wenn ich eingesperrt bin, bin ich tatsächlich sehr beschäftigt. In den drei Monaten, in denen ich eingesperrt war, habe ich zehn Online-Interviews mit Journalisten aus der ganzen Welt gegeben, an zwei Pressekonferenzen teilgenommen und bei fünf Veranstaltungen Reden gehalten, darunter auch eine argentinische IT-Konferenz, an der 30.000 Südamerikaner teilnahmen, die auch wie ich alle zu Hause saßen!

Das Versteckspiel… mit Fileless-Malware.

Bösartige Codes… irgendwie gelangen Sie überall…

Sie verhalten sich ein bisschen wie Gas, denn auch Gas möchte sich immer ausbreiten. Denn wie auch das Gas, finden bösartige Codes immer wieder „Löcher“ (Schwachstellen), durch die Sie entweichen können und unsere Computersysteme angreifen. Unsere Aufgabe (eher gesagt eine davon) ist es also, solche Löcher zu finden und zu stopfen. Dabei soll dies proaktiv geschehen, d.h. noch bevor die Malware die Schlupflöcher entdeckt. Somit können wir auf Malware lauern und sie gegebenenfalls abfangen.

Tatsächlich ist es gerade der proaktive Schutz und die Fähigkeit, die Angriffsmuster vorauszusehen und im Voraus eine effektive Schutzbarriere zu schaffen, die wirklich ausgezeichnete, hochtechnologische Cybersicherheit von dem Marketingmist anderer unterscheidet.

Heute möchte ich Ihnen hier ein weiteres Beispiel vorstellen, anhand Sie sehen werden, wie unser proaktiver Schutz vor einer weiteren, besonders raffinierten Art von Malware schützt: sogenannte Fileless-Malware (aka – dateilose Malware). Bei dieser gefährlichen Art von Geister-Malware handelt es sich um einen ausgeklügelten Schadcode, der gelernt hat, die architektonischen Nachteile von Windows zu nutzen, um Computer zu infizieren. Doch auch hier bietet unsere patentierte Technologie einen Schutz und eine effektive Bekämpfung dieser speziellen Cyber-Krankheit. Wie gewohnt erkläre ich Ihnen die komplexen technischen Zusammenhänge in verständlichen Sätzen ohne Fachchinesisch, und zwar genau so, wie Sie es wünschen: als leichten, packenden Cyber-Thrillers mit Spannungselementen.

Zunächst einmal, was bedeutet Fileless?

Nun, sobald Fileless-Malware einmal in ein Computersystem gelangt ist, kopiert sie sich nicht von selbst in Form von Dateien auf der Festplatte und vermeidet somit die Erkennung durch herkömmliche Methoden, zum Beispiel mit einem Antiviren-Monitor.

Wie kann also solche „Geister-Malware“ in einem System existieren? Tatsächlich befindet sie sich im Arbeitsspeicher von vertrauenswürdigen Prozessen! Schrecklich, oh ja!

Unter Windows (eigentlich nicht nur unter Windows) gab es schon immer die Möglichkeit, dynamische Codes auszuführen, die insbesondere für die Just-in-Time-Kompilierung verwendet werden, d.h. die Umwandlung von Programmcode in Maschinencode, und zwar nicht sofort, sondern nach Bedarf. Dieser Ansatz erhöht bei einigen Anwendungen die Ausführungsgeschwindigkeit. Und um diese Funktionalität zu unterstützen, erlaubt Windows Anwendungen, Codes im Arbeitsspeicher (oder sogar in einen anderen vertrauenswürdigen Prozessspeicher) zu platzieren und auszuführen.

Vom Sicherheitsstandpunkt aus kaum eine gute Idee, aber was kann man dagegen tun? Auf diese Weise funktionieren seit Jahrzehnten Millionen von Anwendungen, die in Java, .NET, PHP, Python und anderen Sprachen und für andere Plattformen geschrieben wurden.

Irgendwie war es zu erwarten, dass die Cyberbösewichte den dynamischen Code ausnutzen und dadurch Missbrauchsmöglichkeiten erschaffen würden. Eine der bequemsten und daher am weitesten verbreiteten Angriffsmethoden ist die so genannte „reflective PE Injection“. Hört sich kompliziert an, deshalb erkläre ich es Ihnen (Es ist eigentlich ziemlich interessant!).

Um eine Anwendung zu starten, muss man nur auf das Anwendungssymbol auf dem Desktop klicken: Einfach und unkompliziert, oder? Es sieht zwar einfach aus, aber in Wirklichkeit geht unter der Haube alles Mögliche vor sich: Es wird ein Systemlader aufgerufen, der die jeweilige Datei von der Festplatte nimmt, in den Speicher lädt und ausführt. Und dieser Standardprozess wird von Antiviren-Programmen kontrolliert, die die Sicherheit der Anwendung überprüfen.

Bei einer „Reflexion“ wird der Code ohne den Systemladers (und damit auch unter Umgehung des Antiviren-Monitors) geladen. Der Code wird direkt in den Speicher eines vertrauenswürdigen Prozesses platziert, wodurch eine „Spiegelung“ des ursprünglichen ausführbaren Moduls erzeugt wird. Eine solche Reflexion kann wie ein echtes Modul ausgeführt werden, das mit einer Standardmethode geladen wird, aber es ist nicht in der Liste der Module registriert und hat, wie oben erwähnt, keine Datei auf der Festplatte.

Im Gegensatz zu anderen Techniken der Code-Injection (z.B. über Shellcode) erlaubt eine Reflexions-Injektion zudem die Erzeugung von funktional fortgeschrittenen Codes in höheren Programmiersprachen und Standard-Entwicklungsframeworks ohne jegliche Einschränkungen. Man erhält also: (i) keine Dateien, (ii) eine Verschleierung hinter einem vertrauenswürdigen Prozess, (iii) Unsichtbarkeit für traditionelle Schutztechnologien und (iv) freie Hand, um Schaden anzurichten.

So waren natürlich die reflektierten Injections bei den Entwicklern von bösartigen Codes ein Megahit: Zuerst tauchten sie in Exploit-Packs auf, dann kamen Cyber-Spione ins Spiel (z.B. Lazarus und Turla), dann fortgeschrittene Cyber-Kriminelle (da es eine nützliche und legitime Art der Ausführung von komplexen Codes ist!), dann kleine Cyber-Kriminelle.

Auf der anderen Seite der Tatsachen sind Fileless-Infektionen nicht so einfach zu besiegen. Es ist also eigentlich kein Wunder, dass die meisten Cybersicherheitsmarken nicht allzu heiß darauf sind. Einige können es kaum schaffen.

Read on: Das Versteckspiel… mit Fileless-Malware.

Cybersicherheit: Wie alles begann – Teil 5: Der Wendepunkt im Jahr 1996

Es geht weiter mit unserer KL-Geschichte! Eine Geschichte, die erzählt, wie wir als bescheidenes Unternehmen, das wir damals waren, zu dem geworden sind, was wir heute sind. Und diese Cybergeschichte verdanken wir dem Lockdown! Sonst hätte ich nie die Zeit zum Erinnern gehabt!

Nur für den Fall, dass Sie die vorherigen Teile verpasst haben:

Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4

In Ordnung. Teil 5: 1996. Wahrlich ein schicksalhaftes Jahr, ein Wendepunkt…

Als erstes beschlossen die Eigentümer von KAMI, mein damaliger Arbeitgeber, das Unternehmen zu verlassen. Infolgedessen wurde KAMI in mehrere unabhängige Organisationen aufgeteilt. Und im folgenden Jahr – 1997 – trennten auch wir uns.

Zweitens unterzeichneten wir einen OEM-Vertrag mit der deutschen Firma G-Data, um sie mit unserer Antivirus-Engine zu beliefern. Dieser Vertrag lief 12 Jahre lang (bis 2008!), als wir die Nummer 1 auf dem deutschen Einzelhandelsmarkt wurden. Genau so lief es ab. Unsere ursprünglichen technischen Fähigkeiten waren nicht zu stoppen! Aber was sollten wir tun? Jedenfalls war es G-Data, die auf uns zu kamen (wir waren damals nicht in der Lage, aktiv nach Technologie-Partnern zu suchen) und Remizov, dem damaligen Chef von KAMI, eine Zusammenarbeit anbot. Wie im Teil 4 schon beschrieben, unterzeichneten wir den Vertrag auf der CeBIT. Und so kam unser Technologie-Lizenzgeschäft in Schwung.

Nach den Deutschen (1995) kamen die Finnen – F-Secure (1996), damals bekannt als Data Fellows. Ich möchte Ihnen erzählen, wie unsere Zusammenarbeit mit ihnen begann.

Im August 1995 erschien der allererste Makrovirus, der Microsoft Word-Dokumente infizierte. Es stellte sich heraus, dass das Schreiben von Makroviren sehr einfach war, und sie verbreiteten sich mit alarmierender Geschwindigkeit unter sehr vielen ahnungslosen Benutzern. Dies erregte die Aufmerksamkeit anderer Virenautoren, und sehr schnell wurden Makroviren zum größten Problem für die Antivirenbranche. Sie zu erkennen war alles andere als einfach, da das Format eines Word-Dokuments sehr komplex ist (wer wusste das schon?:). So spielten AV-Firmen mehrere Monate lang mit verschiedenen Methoden, bis Anfang 1996 McAfee (die Firma:) die „richtige“ Zerlegungsmethode für das Format von Word-Dokumenten verkündete. Diese Nachricht wurde von unserem Kollegen Andrej Krukow (der 1995 unserem Kollektiv beigetreten war) aufgegriffen, und er fand schnell eine äußerst elegante und effektive technische Lösung. Nachdem ich sie bekannt gab, kamen schon ziemlich bald Unternehmen mit Angeboten zum Kauf unserer Technologie auf uns zu. Nachdem wir mehrere solcher Angebote eingeholt hatten, arrangierten wir ein Treffen mit ihnen allen auf der bevorstehenden Virus Bulletin-Konferenz in Brighton, Großbritannien, zu der Andrey und ich im Herbst 1996 reisten.

In Brighton liefen die Dinge kaum nach Plan: Keines dieser Treffen hat je zu etwas geführt! Aber…

Wir hatten ein sehr interessantes Gespräch mit Command Software – ich erinnere mich, dass wir in einer sehr schick eingerichteten Präsidentensuite eines Hotels waren, das sie für Meetings gebucht hatten. Diese Firma hatte seit langem die AV-Engine der Firma F-Prot lizenziert. Aber schon seit einigen Jahren waren die Entwickler von F-Prot nicht mehr in der Lage gewesen, eine neue Engine zu entwickeln, und ihre Partner waren höchst unzufrieden und suchten nach Alternativen (ein wenig wie bei Apple und Intel).

Nun luden die guten Leute von Command Software Andrey und mich in die USA ein, damit wir anfangen konnten, für sie zu arbeiten. Ich erinnere mich mit allen möglichen saftigen Verlockungen, wie Häuser, Autos und fetten Gehältern! Wir lehnten jedoch ab und sagten, wir würden über das Angebot nachdenken, aber wir hätten nicht vor, Moskau in nächster Zeit zu verlassen. Und das war alles. Natürlich war es sehr schmeichelhaft, in den Staaten so viel gutes Zeug angeboten zu bekommen, und als wir das schicke Hotelzimmer verließen und durch die Lobby gingen, grinsten wir wie Honigkuchenpferde! Und es war in dieser Lobby, wo die Kompanen von Data Fellows unser Grinsen bemerkten. Wir hielten für einen Plausch an. Und um es kurz zu halten: zwei Monate später reiste Natalya Kaspersky nach Helsinki, um die Bedingungen der Zusammenarbeit zu besprechen, und bald darauf unterzeichneten wir mit ihnen einen Vertrag. Sieh an, sieh an. Wie schnell sich doch das Blatt wendete!

Der Vertrag mit den Data Fellows war… reine technologische Sklaverei! Er verweigerte uns u.a. das Recht, Internetlösungen und Managementsysteme für Unternehmenslösungen zu entwickeln, und darüber hinaus war es ein Exklusivvertrag, d.h. wir hatten nicht das Recht, unsere Engine an jemanden außer Data Fellows (und G-Data, aufgrund des laufenden Vertrags) zu lizenzieren. Warten Sie – da ist noch mehr. Die Finnen hatten alle Rechte an unseren Technologien und dem Quellcode! Der Vertrag war in der Tat erdrückend. Wir hatten jedoch keine andere Wahl. Denn ohne das Geld, das wir damit verdienen würden, hätten wir einfach nicht überlebt. Also unterzeichneten wir ihn. Und das war auch gut so, denn Data Fellows war unsere Haupteinnahmequelle für die nächsten Jahre. Wir kamen gerade so über die Runden. Doch mit der Zeit wurden die Vertragseinschränkungen eine nach der anderen aufgehoben. Zuerst das Verbot unserer Entwicklungsprodukte, dann das Exklusivitätsrecht. Erst im Sommer 2006 befreiten wir uns schließlich vollständig von allen unseren Verpflichtungen, fast 10 Jahre nachdem wir sie unterzeichnet hatten.

Drittens (um zurück zu den wegweisenden Ereignissen des Jahres 1996 zurückzukommen) begannen wir schließlich mit der Entwicklung eines eigenen Produkts für Windows 95. Die Entwicklung hätte zwei Jahre früher anfangen sollen, aber [*hust*] alle unsere Entwickler waren mit anderen Dingen beschäftigt! Alexey ‚the Count‘ (dt. der Graf) De Mont De Rique war mit der Lösung für MS-DOS beschäftigt. Andrej Tichonow war mit der Lösung für Novell NetWare beschäftigt, und Larissa Gruzdeva war noch mit einer Version für Windows 3.xx beschäftigt. Es gab einfach physisch niemanden, der an der Entwicklung eines Produkts für das vielversprechendste Betriebssystem der Welt arbeiten konnte! Rückblickend und im Nachhinein betrachtet, war das einfach verrückt…

Sobald die Entwicklung einer Windows-Version begonnen hat, kommen wir zu dem vierten wegweisenden Ereignis…

Auf der Moskauer Comtek-Ausstellung im Herbst 1996 näherte ich mich dem Stand der damaligen Monopol-Antivirusfirma in Russland, einer Firma namens Dialog Science, und fragte sie nach ihren neuesten Produkten. Man schaute mich von oben bis unten an, und von ihrem (für damalige Verhältnisse) schicken Stand aus erfuhr ich, wie gut doch alte MS-DOS-Programme unter Windows gut funktionieren. Darauf antwortete ich: ~“Ich werde euch alle auffressen!“ Sie lächelten lediglich und dachten wahrscheinlich: „Ja, richtig“ ).

Und vor allem, fünftens

Wir begannen und schlossen mit der Entwicklung einer neuen Antiviren-Engine (AVP3) ab, die ein volles Jahrzehnt lang in Millionen von Kopien unserer Produkte auf der ganzen Welt und auch in den Produkten unserer Technologiepartner nahezu unverändert zum Einsatz kommen sollte. Erst im Frühjahr 2008 haben wir begonnen, sie durch unsere neue Engine (KLAVA) zu ersetzen – zunächst in unseren Heimprodukten und später, Anfang 2009, in unseren wichtigsten Unternehmensprodukten.

Die wichtigste Neuerung mit AVP3 war die plattformübergreifende Technologie, d.h., dass dieselbe Engine mit denselben Datenbanken auf jeder Intel-basierten Plattform funktioniert. Bisher war es eine Engine pro Plattform: jede brauchte ihre eigene, die portiert werden musste; aber – schlimmer noch – jede Datenbank musste auch portiert werden (da sie den ausführbaren Code enthielten). Unsere neue Engine verhinderte die gesamte Duplikation. Ein Game-Changer!

Darüber hinaus verfügte die Engine über ein eigenes Modul (zum Teil, um die Lizenzvergabe an Partner). Als Ergebnis hatten wir eine universelle, plattformübergreifende Engine und universelle, plattformübergreifende Datenbanken. Man konnte sie zur Herstellung eines eigenen Antivirusprogramms verwenden (was die Firmen auch taten). Dies bedeutete einen Ruck nicht nur für die weitere Entwicklung des OEM-Geschäfts der Firma, sondern auch für die Entwicklung eigener Produkte, da die Hauptkomponenten (Motor + Datenbanken) maximal „abgestimmt“ waren, um in verschiedene Produkte für verschiedene Plattformen eingebettet zu werden, d.h. DOS16/32, Windows, Novell, Linux, OS/2, Unix und andere.

Sechstens

Noch wichtiger war die Einführung unserer Produkte für Windows 95. Wann genau die offizielle „Markteinführung“ stattfand, lässt sich nur schwer feststellen: Zwischen Herbst 1996 und Sommer 1997 gab es zahlreiche öffentliche Beta-Versionen – waren das „Produkte“? Wahrscheinlich wurden sie erst in den frühen 2000er Jahren zu vollwertigen (Nicht-Beta-)Versionen. Der erste Beta-Prototyp wurde am 16. September 1996 der Öffentlichkeit vorgestellt und hieß AVP for Win95 3.0, Build 105. Und basierend auf dem Quellcode davon wurde eine DOS-Version kompiliert, so dass es wahrscheinlich im September 1996 war, als 3.0 vorgestellt wurde.

Und zum Schluss Nummer Sieben:

Im November 1996 starteten wir schließlich unsere Website, eine der Versionen davon finden Sie hier, und das Archiv der Website – hier. Wir haben die Texte selbst geschrieben und auch die Bilder selbst gezeichnet (die meisten Illustrationen sind von mir :).

Exploring Russia: Tourismus ÷ Lockdown × Accelerator = Das Siegertreppchen

Mitte Frühling dieses Jahres, auf dem Höhepunkt der „Jeder-ist-zu-Hause-Periode“, wurde deutlich, dass die Lage für die Welt sehr düster aussieht und für lange Zeit düster bleiben wird. Die Wirtschaft wurde hart getroffen, um es milde auszudrücken, während die Tourismusindustrie ziemlich am Boden zerstört ist und so manches Unternehmen die Krise nicht überstehen wird. Wir bei K haben also das getan, was wir so oft tun: Wir reichen den am meisten betroffen Branchen eine helfende Hand.

Anfang Mai gab ich bekannt, dass der neue Online-Accelerator für Tourismus „Kaspersky Exploring Russia“ (dt. Kaspersky entdeckt Russland) lanciert und jetzt den Startschuss für Einsendung von Wettbewerbsbeiträgen gegeben wurde. Aber ich hätte nie gedacht, dass mehr als über 500 Projekte aus 47 Ländern (das ist fast ein Viertel aller Länder der Welt!) aus fünf verschiedenen Kontinenten (allen Kontinenten außer der Antarktis!) bei mir eingehen würden. Und als ich mich durch die Projekte durchlas, wurde mir klar, wie viel Potenzial in der Tourismusindustrie steckt! So viele Ideen und so viele großartige Startups und etablierte Projekte. Es gab keine geographischen Beschränkungen für die Einsendungen. Sie konnten von überall auf der Welt kommen, und das taten sie auch! Ziel war es, Tourismusideen zu beschreiben, die entweder das Potenzial des russischen Inlandstourismus ausschöpfen oder auf Russland angewendet werden konnten. Wir haben alle Projekte gesichtet, um die 10 besten Ideen auszuwählen. Die besten 10 Projekte aus der Vorrunde stiegen dann im Accelerator-Programm ein.

Zwei Wochen lang nahmen die 10 Siegerprojekte an virtuellen Masterclass-Workshops und Vorträgen teil. Jedes Team hatte eine Reihe von speziell zugeschnittenen Beratungskursen mit Mentoren. Führende Persönlichkeiten der Branche teilten mit den Teilnehmern ihre Erfahrungen und ihr Know-how für den Aufbau eines erfolgreichen Unternehmens. Zu den Mentoren gehörten Vikas Bhola, Regional Manager von Booking.com; Gemma Rubio, Gründerin von Define the Fine; Vadim Mamontov, Geschäftsführer von Russia Discovery; und anderen Experten der Branche. Und in diesen zwei Wochen feilten die Teilnehmer auch an ihren Präsentationen, die sie dann vor der Jury, der ich angehörte, vortrugen.

Letzte Woche hielten die Finalisten ihre Präsentationen und beantworteten unsere Fragen am letzten Tag des Accelerators. Anhand der Präsentationen kürten wir drei Gewinner, die von unseren Partnern verschiedene Preise erhielten. Lassen Sie mich Ihnen etwas über die Gewinner erzählen…

Den ersten Platz belegte das Projekt „360 Stories„. Dabei handelt es sich um eine Augmented-Reality-App mit einem Live-Guide. Die Mission von 360 Stories sei es, „das traditionelle Reiseerlebnis zu modernisieren, indem sie interaktive Live-Touren mit Echtzeit-Reiseführern ermöglichen.“ Mit 360 Stories können Menschen nun ihre Lieblingsstädte und -attraktionen aus der Ferne erkunden, indem sie sich für eine personalisierte Tour mit einem lokalen Echtzeit-Reiseführer anmelden.

Übrigens: 360 Stories hätte beinahe verloren, da wohl jemand verschlafen hat und nicht aufgekreuzt ist! Die Präsentation fand um 05:30 Uhr Ortszeit (New York) statt.  Angesichts eines so frühen Termins verschlief Herr 360 Stories, obwohl er seinen Wecker gestellt hatte. Schließlich wachte er auf und rief die Organisatoren an, um zu fragen, warum er 20 verpasste Anrufe auf seinem Telefon hatte. Alle fragten ihn nur, wo er steckte, da er der Gewinner war!

Silber ging an das russische Projekt „maps.me.“ Hierbei handelt es sich um eine detaillierte Offline-Karte für Reisende mit über 140 Millionen Downloads weltweit. Der Dienst vereint Hunderte von Reiseführern und Navigationsrouten von mehr als 600 Städten. Man kann in der App direkt nach Sehenswürdigkeiten und wichtigen Kategorien suchen (z.B. Cafés und Banken), Rezensionen hinterlassen, Tipps mit Freunden austauschen oder Hotelzimmer auf Booking.com buchen. Die App eignet sich gut für Reisen in ein anderes Land (sie verfügt auch über einen Offline-Modus) und ist gleichzeitig ein praktisches Hilfsmittel für die Navigation in Ihrer Stadt. Ich muss sagen, dass ich die Offline-Karten von maps.me selbst benutze, wenn ich mich an Orten mit Funklöchern, schlechter Internetanbindung oder fehlender Telekommunikationsinfrastruktur aufhalte (wie zum Beispiel auf meinen jüngsten Reisen nach Namibia und Tasmanien (vor Corona).

Bronze ging an „Altourism“ (großartiger Name!). Es handelt sich um „ein neues Konzept für Reisen durch das ländliche Russland.“ Eines der Hauptziele des Projekts ist es, Dörfer und Kleinstädte in Russland zu erhalten und die Einstellung der lokalen Bevölkerung gegenüber ihrer Umwelt zu verändern. Dadurch wird eine touristische Infrastruktur auf dem Land geschaffen, die Entwicklung von Kleinunternehmen unterstützt und die Aufmerksamkeit auf Probleme in ländlichen und abgelegenen Regionen gelenkt. Altourism hilft Reisenden, aus ihrer gewohnten Umgebung zu entkommen und mit eigenen Händen etwas zu bewirken. Das Engagement zeigt sofort Ergebnisse, man macht praktische und angenehme Bekanntschaften mit den Locals und anderen Reisenden und trägt zu einem positiven Wandel bei. Das Verlassen der eigenen Komfortzone durch das Abenteuer durch ein Land mit unendlichen Möglichkeiten erlaubt den Reisenden auch eine „digitale Auszeit.“

Und das waren unsere Gewinner! Ich wünsche den Gewinnern, und auch allen anderen Teilnehmern, viel Glück bei all ihren touristischen Unternehmungen und Abenteuern. Und ich hoffe, dass sie irgendwie wieder auf die Beine kommen, wenn sich dieser schreckliche Virus etwas beruhigt hat. In der Zwischenzeit tue auch ich genau das, wofür der Accelerator plädiert: die Öffnung Russlands! Denn langsam aber sicher bereite ich mich auf meine Sommerreise nach Altai vor – wo ich seit 2016 nicht mehr gewesen bin (Details dazu – hier).

Abschließend möchte ich mich bei allen Gewinnern und Teilnehmern, den Sponsoren, Partnern, Mentoren und Organisatoren bedanken.  Alle, die darauf brennen, wieder auf Reisen zu gehen wünsche ich jetzt und auch für die Zukunft: Bon Voyage und eine sichere Reise!….

Cybersicherheit: Wie alles begann – Teil 4: Die CeBIT.

Endlich ist der Sommer da. Es hat lange gedauert! Aber ich bin mir nicht sicher, ob es der Segen ist, der es normalerweise ist, da wir alle noch zu Hause sitzen und aus der Ferne arbeiten. Sicher, es gab hier und da „Erleichterungen“ auf der ganzen Welt, aber wir hier in K haben es nicht eilig, die Dinge… zu überstürzen. Ich denke, das gilt auch für andere IT-Unternehmen, die zumindest bis zum Herbst von zu Hause aus arbeiten werden. Einige haben sogar signalisiert, dass sie bis zum Ende des Jahres im Homeoffice verbleiben werden. Und natürlich werden immer noch Geschäftsreisen abgesagt, ebenso wie Ausstellungen und Konferenzen und die Olympischen Spiele und das Festival von Cannes und eine ganze Reihe anderer Großveranstaltungen. Die Grenzen einiger Länder verbleiben sogar bis heute geschlossen.

Also ja: Wir sind immer noch alle eingesperrt, dürfen nicht viel an die frische Luft und werden durch die Wohnzimmerluft ein bisschen verrückt. Zumindest geht es vielen so, da bin ich mir sicher. Es gibt andere, die all die zusätzliche Zeit nutzen und sich mehr bewegen als je zuvor, unglaublich! Ich bin irgendwo dazwischen. Ich habe manchmal genug von den lässigen Faulpelztagen, aber ich bleibe beschäftigt. Und dazu gehört auch, dass ich meine Archive abstaube und durchstöbere. Dabei finde ich immer wieder alte Fotos, die mich in liebevollen Erinnerungen schwelgen lassen (wie schnell sich doch die Welt verändert!) und mich zur Fortsetzung meiner Blog-Memoiren geführt hat! Hier Teil 4 der Cybersicherheit: Wie alles begann-Reihe:

Ja, diese Serie kombiniert Cyber-Nostalgie mit verschiedenen persönlichen und geschäftlichen Einsichten, die ich auf dem Cyber-Weg gesammelt habe und von denen ich hoffe, dass sie für einige nützlich oder für andere einfach interessant sind. Dementsprechend fahre ich heute hier mit Teil vier fort, und ich setze meine im dritten Teil begonnenen Erzählungen über die CeBIT fort…

Die CeBIT – Wir liebten sie! Es war einfach sooo neu und anders und einfach nur riesig!

Wir schreiben das Jahr 1992. Die Sowjetunion hatte gerade erst aufgehört zu existieren, aber das tägliche Leben war immer noch ziemlich „sowjetisch“, und die Dinge waren für die einfachen Leute sehr instabil, chaotisch und schockierend; ein Beispiel: Starke Spirituosen fragwürdiger Qualität wie Royal Spirit fanden einen Weg in russische Kiosken (neu aus den Niederlanden importiert; ursprünglich nie zum Trinken gedacht, aber angesichts des riesigen neuen Marktes (der sich ohne Einschränkung durch Verbraucherschutzgesetze im Osten öffnete), und das leider nicht ohne Opfer. Die Menschen litten an Alkoholvergiftungen und starben sogar, nachdem sie ihn getrunken hatten. Und wir kamen von diesem Ort der Instabilität und des Chaos und fanden uns im stabilen, geordneten, dekadenten Deutschland wieder, wo jahrhundertelang ununterbrochenen Kapitalismus und Konsumismus gelebt wurde.

Wie ich im dritten Teil bereits erwähnte: Es war wirklich ein Kulturschock! Aber nach einer Woche relativen Komforts im Westen haben wir uns irgendwie daran gewöhnt. Aber dann gab es einen zweiten Kulturschock als wir nach Moskau zurückkehrten! Die Unterschiede trafen uns dann umso mehr. Aber natürlich: Die Unterschiede waren nur allzu real; ein Beispiel: Familie und enge Freunde gaben uns Konservendosen, geräucherte Wurst und andere solche Dinge mit für die Geschäftsreise, damit wir unsere D-Mark (das war lange vor dem Euro) aufheben konnten, indem wir sie nicht für den Lebensunterhalt ausgaben, sondern für bessere Geräte wie z. B. einen Kassettenspieler, den wir mit nach Russland nehmen konnten, oder schicke Kleidung wie ein gutes Paar Levi’s oder so etwas ausgaben. Wenn man sich heute an all das erinnert, was damals fast schon ein Lebensstil war, kann man manchmal nicht ganz glauben, dass es real war. Die Welt von heute fühlt sich so an, als wäre sie ein anderer Planet, auf dem eine ganz andere Zivilisation lebt!

Ok, Kulturschock: überwunden. Aber wie kommt es, dass wir uns, so kurz nach der Geburt der „Russischen Föderation“ überhaupt auf der CeBIT wiederfinden? Schließlich waren wir ja noch nicht einmal ein Unternehmen, geschweige denn wichtig genug, um einen Stand auf einer weltweit führenden Ausstellung zu haben. Und auch Russland war gerade erst auf den Beinen. Nun, es gibt da eine Geschichte, die mir erst kürzlich von Alexey Remizov erzählt wurde, meinem früheren Chef bei KAMI, mein erster Arbeitgeber (jetzt I-Teco)…

Nachdem die UdSSR zerbrach, nahm sie viele sowjetische Ministerien und Komitees mit sich ins Jenseits, so dass an ihrer Stelle neue, russische Pendants gegründet werden mussten. Einer dieser neuen Behörden, die kurz vor unserer CeBIT-Reise gegründet wurde, war das Komitee für Infomatisierung des Kommunikationsministeriums, das schnell auf die Idee kam, auf der CeBIT einen Gemeinschaftsstand mit mehreren russischen IT-Firmen auf der CeBIT zu haben (darunter auch KAMI, wo ich seit Mai 1991 angestellt war). Buchstäblich nur wenige Wochen später waren wir in Hannover auf der internationalen Mega-Ausstellung. Eine ganze Woche lang, zeigten unsere verschiedenen technischen Produkte während wir uns neugierig auf der CeBit alles in Augenschein nahmen. Ja, es war ein seltsames Spektakel für uns. Aber ich bin mir sicher, dass viele der anderen Teilnehmer und Besucher der CeBit die russische Delegation für komisch hielten. Oh, und ich wollte gerade „Delegation russischer Startups“ schreiben, allerdings hätte man die Unternehmen wirklich so bezeichnen können: Damals gab es praktisch keine Investitionen in der russischen IT-Branche.

Da waren wir also… auf der CeBIT…

Ich habe dies bereits im dritten Teil angesprochen, aber hier sind noch ein paar weitere Details über… den MASSIVEN Umfang der Ausstellung. Sie war in mehreren, riesigen und vollen Hallen untergebracht, es gab Tausende von Ständen von Unternehmen aus der ganzen Welt und Hunderttausende von Besuchern (in der Hochsaison fast eine Million). Es war die größte Computermesse der Welt: Bei weitem größer als die Nummer zwei der IT-Messen, COMDEX, in Vegas. Das Spektakel wäre für einen erfahrenen West-ler, der seit Jahren mit Computern arbeitet, ziemlich unglaublich gewesen. Für uns war es einfach nur… überwältigend! (Ich meine, ich war auf ein paar Computer-Ausstellungen in Moskau gewesen, auf der Comtek zum Beispiel im Jahr 1990… die war aber im Vergleich zur CeBIT winzig).

Aber es waren nicht nur Leute wie wir, die in der Branche arbeiten und für die die Ausstellung warb, die zur CeBIT kamen. Es waren Rentner, Kinder… fast jeder war da, um einen Blick auf das Geschehen zu werfen… und um ein paar kostenlose Stifte, Blöcke und andere Werbegeschenke mitzunehmen („Staubsauger“ würden wir Besucher nennen, denn sie saugten praktisch alles auf, was nicht festgeschraubt war!). Schließlich war dies die Zukunft, und es war so hell, dass alle eine Brille tragen mussten. Nicht wie heute, wo wir so daran gewöhnt sind, dass die Technik im Stundentakt immer besser, größer, heller, schneller und umso außergewöhnlicher wird.

Ich erinnere mich zum Beispiel an die Weltneuheit auf der CeBIT: die erste schwarz-weiß- Digitalkamera! Die Qualität der Bilder, die sie aufnahm, war so schlecht, dass sie nach heutigen Maßstäben lächerlich war, und sie kostete auch einen Haufen Geld (1000 Dollar, wenn ich mich recht entsinne). Man fotografierte einige Freiwillige, übertrug das Bild auf einen Bildschirm, der mit einem primitiven Grafikeditor verbunden war, und editierte die Köpfe der Freiwilligen während das riesige Publikum applaudierte.

Es gab einen Stand eines internationalen IT-Konzerns mit einem Formel-1-Rennwagen (eigentlich hat sich dort nicht viel geändert, aber damals war es ein Novum😊). Eine Schaufensterpuppe schüttete den ganzen Tag Kaffee über eine Computertastatur, um die innovativen Vorteile einer wasserdichten Tastaturabdeckung aus Kunststoff zu demonstrieren. Es gab einen Saal, der den Start-ups gewidmet war und in dem alle Arten von Erfindungen und Innovationen gezeigt wurden… und es war alles da, eine ganze Woche lang.

Übrigens geschah das alles im Frühjahr 1992 – im Vor-Internet-Zeitalter, wie wir es heute kennen (die erste Webseite überhaupt war weniger als ein Jahr zuvor erschienen), und Jahre vor der Dot-Com-Blase.

Für die Besucher war das alles bestimmt toll und spaßig, aber für uns war es nichts anderes als harte Knochenarbeit: Non-Stop-Arbeit am Stand. Und das Ergebnis: Für de Katz! Keine neuen Kunden, keine Interessenten, gar nichts. Nicht, dass die Reise umsonst gewesen wäre. Es war unser erster Schritt, und er hat uns klar gemacht, dass wir in Zukunft wieder nach Hannover zurückmüssen, was wir (nach einigen Jahren, regelmäßig) getan haben. Das hat uns, auch wenn es ein steiniger und mit Umwegen verbundener Weg war, dorthin geführt hat, wo wir heute sind.

Während der Anfänge kamen aber jährliche Reisen zur CeBIT nicht in Frage: Wir hatten weder die Zeit noch das Geld für so etwas. Und außerdem waren wir uns sicher, dass weitere Reisen nicht zur Entwicklung unseres Geschäfts beitragen würden, also, warum sich die Mühe machen? Die wenigen russischen Softwarefirmen wurden damals mit Skepsis begegnet belustigt angeschaut, dann meist ignoriert.

Aber die Dinge begannen sich für uns früher zu ändern, als wir zunächst erwartet hatten: 1994…

Wie bereits erwähnt, haben wir einen Antivirentest der Universität Hamburg gewonnen. Und im Frühjahr 1995 hatten wir bereits ein Dutzend ausländische Partner (vor allem in Europa). Aber was uns wirklich den Anstoß auf ein neues Niveau gab, war unsere zweite Reise zur CeBIT im selben Frühjahr 1995. Dort trafen wir dann die deutsche Firma G-Data. Sie hatte bereits eine lange Geschichte im Antivirenbereich, tatsächlich hatte sie einen der ersten AV der Welt geschaffen (1988 für Atari)! Aber sie war mit ihrer eigenen Antiviren-Engine nicht allzu glücklich, und als sie die Ergebnisse des Hamburger Wettbewerbs sahen, wollten sie mit uns über technische Zusammenarbeit sprechen. Und das war es dann auch (zu einem großen Teil).

So trafen wir (nicht ich persönlich, sondern ein Kollege) 1995 auf der CeBIT zum ersten Mal die guten Leute von G-Data. Auf der CeBIT 1996 unterzeichneten wir (ich persönlich eingeschlossen) mit den guten Leuten von G-Data einen Vertrag über die Lizenzierung unserer AV-Engine und unseres AV-Datenbank-Update-Systems. Aber abgesehen von diesem wichtigen Vertrag gab es für mich auf der CeBIT in den ersten Jahren nicht wirklich viel zu tun, also besuchte ich Hannover das nächste Mal im Jahr 2001. Aber von diesem Jahr an besuchte ich sie jährlich bis 2012 und dann ein weiteres Mal im Jahr 2014, so dass sich meine Gesamtzahl der Besuche auf 15 beläuft.

In der Zwischenzeit wurde unsere Präsenz auf der CeBIT jedes Jahr dazu genutzt, aktiv Distributoren/Vertriebspartner zu suchen und zu finden, vor allem europäische. Im Jahr 1999 teilten wir uns einen Stand mit zwei anderen russischen Unternehmen, und im Jahr 2000 hatten wir einen Stand ganz für uns allein (wenn auch in einer der entfernteren Ecken der Hallen). Im Jahr 2001 hatten wir uns auf die Mitte zubewegt und unser Stand wurde zu einem zweistöckigen (wenn auch neben den öffentlichen Toiletten😊). Danach rückten wir jedes Jahr näher und näher zur Mitte der Halle heran (dort findet die ganze Action statt), und schließlich schafften wir den Umzug auf die Antiviren Straße der CeBIT, mit allen unseren Kollegen und Konkurrenten der AV-Branche als Nachbarn!

Wieso haben wir so lange gebraucht, um unseren verdienten Platz an der Antiviren Straße zu bekommen? Nun, die Organisatoren der CeBIT boten einem Unternehmen immer den Platz an, den man im Vorjahr belegt hatte, und die einzige Chance, einen anderen Platz zugeteilt zu bekommen, bestand darin, dass ein Unternehmen seinen gewohnten Messeplatz verließ und dadurch das Areal frei wurde. So entschied sich unser sehr gelber Konkurrent 2007 aus einem unbekannten Grund, nicht an der CeBIT teilzunehmen und wir nutzten die Chance, um den Platz zu ergattern, und zwar an der besten Stelle auf der gesamten Antiviren-Allee!

Das sind wir auf dem Gemeinschaftsstand mit den beiden anderen russischen Unternehmen im Jahr 1999. „Spitzentechnologien für Unternehmen“ klingt zuversichtlich, solide. Was es wirklich bedeutete: „Wir sind verzweifelt, wir müssen wirklich etwas verkaufen, um über die Runden zu kommen!“

Unser Stand 2000 – in einer Ecke:

2001 – Doppeldecker! ->

Sehen Sie für sich selbst… es war wirklich direkt neben den Badezimmern!

Ein Bild von mir, während ich mir die Hände schmutzig mache, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes:

Wir spulen bis ins Jahr 2008 vor: Es hat sich deutlich verbessert:

Zurück zum Wesentlichen:

Jede Ausstellung, die sich selbst als seriös bezeichnet… sollte doch an einem Messestandort stattfinden. Man erwartet das doch irgendwie, dass sie irgendwo stattfindet, wo es viele Hotels gibt. Stimmt’s? Ja, das stimmt. Aber in Hannover, ja – Sie haben es schon bestimmt erahnt, gibt es (oder gab es? Bin mir der heutigen Situation nicht bewusst) einen katastrophalen Mangel an Hotelzimmern. WAS?!

Die beste und größte jährliche internationale IT-Ausstellung der Welt… fand in einer Stadt statt, in der es kaum Hotels gibt (gab). Die Teilnehmer mussten Wohnungen und Zimmer mieten, die 30, 50, 100 oder mehr Kilometer von der CeBIT entfernt waren. WIESO? Nun ja, erwarten Sie keine zufriedenstellende Antwort von mir, ich weiß es nämlich auch nicht.

Aber sie führte zu einigen interessanten, fast absurden Methoden, um das Defizit auszugleichen. Einheimische, die in der Stadt oder in der Nähe der Stadt wohnten, zogen während des Messezeitraums aus ihren Wohnungen und vermieteten diese lieber an die Ausstellungsbesucher (quasi ein Vorgänger von Airbnb). Einige zogen jedoch nicht „aus“ sondern „nach unten“ in ihre Keller (falls die Eigentumswohnung einen hatte)! Und mit dem nach einigen Jahren gesparten Geld bauten sie ein Haus nebenan und fingen an, auch dieses Haus zu vermieten!

Oder vielleicht ist diese seltsame Situation bezüglich der fehlenden Unterkünfte nur während der CeBIT entstanden? Vielleicht gab es während einer „normal großen“ Ausstellung genügend Übernachtungsmöglichkeiten, was bei der CeBIT sicher nicht der Fall war. Möglicherweise. Ich war ein paar Mal für eine andere Ausstellung in Hannover, z.B. die Hannover Messe, und da hatte ich auch keine Probleme, ein Hotelzimmer in der Stadt zu finden.

Ah – und wenn ich schon über unerklärliche Merkwürdigkeiten in Hannover schreibe, muss ich Ihnen von einer anderen erzählen, an die ich mich gerade erinnert habe: die Situation auf dem Flughafen der Stadt. Manchmal kann es stundenlange Schlangen bei der Passkontrolle geben! Was? In Deutschland?? Nachdem wir zwei- oder dreimal unter solch schrecklichen Warteschlangen gelitten hatten, beschlossen wir, nicht mehr direkt nach Hannover zu fliegen. Daher landen wir jetzt in Hamburg oder Frankfurt. Ich sag es gerne nochmal: „Hannover – bitte reiß dich zusammen!“ :).

Mir ist gerade noch etwas eingefallen. Diesmal keine Kritik an Hannover, sondern nur an meinem vergesslichen Gedächtnis. Das Messegelände verfügt über einen riesigen Parkplatz, der ungefähr die gleiche Fläche einnimmt wie die riesigen Messehallen selbst. Nun, einmal kam ich mit einem Mietwagen an, den ich gerade abgeholt hatte. Ich hatte es wohl etwas eilig, also parkte ich den Wagen und eilte zur CeBIT. Nach der Messe hatte ich jedoch vergessen, wo ich ihn geparkt hatte und auch welche Farbe er hatte! Gott sei Dank war es nicht in den 80ern, als Autofahrer noch keine piependen Autoschlüssel hatten. Trotzdem ich lief eine gute halbe Stunde lang auf diesem verdammt großen Parkplatz herum und drückte auf meine Funkautoschlüssel, bis ich endlich ein erlösendes „piep, piep“ hörte… grrrr.

Huch, ich schweife schon wieder ab. Zurück zu unseren frühen CeBIT-Erfahrungen…

Wie ich schon sagte, gab es für mich, dem IT-begeisterten Eugene, auf der CeBIT anfangs nicht viel zu tun. Verträge mit Distributoren aushandeln, Geschäftsbedingungen besprechen… nein: nichts davon gefällt mir wirklich. Aber dann wurden wir immer bekannter, und mit dem Ruhm kommt… die Presse. Und bevor ich das Ausmaß begriff, war ich der Ansprechpartner für die Presse, der ich aber nie werden wollte. Meine Arbeit mit den Medien explodierte: etwa ein Dutzend Interviews täglich! Die ganze Woche über! Und das ohne Mittagessen (ein Kollege schien es immer zu schaffen, ein zusätzliches, ungeplantes Interview für diese freie halbe Stunde mitten am Tag hineinzuquetschen 😊). Am Abend war ich dann dementsprechend sehr erschöpft. Alle anderen gingen in ein nettes, traditionelles deutsches Restaurant (nach der CeBIT – siehe unten), während ich einfach in mein Hotelzimmer gemietetes Zimmer zurückkehrte, kurz zu Abend aß (meistens eine Wurst vom Imbiss) und schließlich im Schlafsack einschlief. Ich redete den ganzen Tag über mit der Presse, dass ich mich quasi buchstäblich wund redete. Zwei Mal habe ich sogar Bläschen auf der Zunge bekommen!

Erst Jahre später habe ich mir die Frage gestellt: Warum hat sich die Presse so sehr für uns interessiert?

Ich glaube, es liegt daran, dass „Cybersicherheit“ damals ein sehr heißes Thema war (genau wie heute!), und die Aufmerksamkeit dafür schnell zunahm. Und von allen Ständen auf der CeBIT gab es nur einen, (und zwar unser Stand), der in der Lage war, die Expertensicht rund um Cybersicherheit ausführlich zu erläutern. Andere beschränkten sich auf die typischen hellen und glänzenden Produkt/Marketing-Maschen, aber die Leute hatten es satt (das war vor 20 Jahren. Einige sind heute immer noch dabei, stellen Sie sich das mal vor😊). Wir hingegen konnten Geschichten über Cyberkriminelle erzählen, wie und warum sie sich in die Computer und Netzwerke ihrer Opfer einhacken, was sie stehlen und wie sie das, was sie stehlen, in Hartwährung verwandeln können. Und es scheint, dass wir uns vom traditionellen Marketing-Mist unserer Konkurrenten mit unserer Innovation, Leidenschaft und unkonventionellen Art abgehoben haben: Das gefällt nämlich der Presse 😊.

Noch ein paar Bilder. Zeitreise zur CeBIT 2010:

Und hier ist die „Antivirus Allee“. Trend Micro, G-Data, Avira und mehr. Die Organisatoren teilten die Standfläche nach verschiedenen Branchensegmenten auf. Dieser Pavillon wurde allen Arten von Cybersicherheitsfirmen überlassen, auch uns. Doch ab 2010 wurde die Teilnehmerliste der AV-Unternehmen immer kleiner. Symantec, McAfee, F-Secure und andere kleinere Unternehmen kamen alle nicht mehr zum jährlichen Trubel. In der Zwischenzeit wurden wir jedes Jahr größer und fröhlicher (aber immer basierend auf dem Fachwissen😊 )!

Es gab Jahre, an denen ich am Vorabend der Ausstellungseröffnung zur CeBIT ging, als der Aufbau der Stände noch im Gange war:

Hier ist unser Stand im Jahr 2012, alles aufgebaut und einsatzbereit:

…Und hier ist der gleiche Stand am Tag danach. Der erste Ausstellungstag war Non-Stop-Trubel. Für mich: Nonstop-Interviews mit Internet-, TV-, Radio-, Zeitungs- und Zeitschriftenjournalisten, Treffen mit unseren Geschäftspartnern, erstmalige Begegnung mit neuen Geschäftspartnern – und kein Mittagessen ☹ .

Hier ist unser immer volle Lounge-Bereich. Manchmal habe ich ihn als Ad-hoc-Minikonferenzsaal genutzt, um mit verschiedenen Distributoren und Resellers aus der ganzen Welt zu sprechen. Nun, sie waren alle hier, warum dann nicht einfach alle zusammen über unsere Neuigkeiten, Pläne und neuen Produktideen informieren? Dann habe ich vielleicht einfach mal Zeit, etwas zu Mittag zu essen).

Da unser Stand recht groß war, arbeiteten einige Dutzend Mitarbeiter hier. Und diese Mitarbeiter, und natürlich auch unsere Gäste/Partner, mussten regelmäßig gefüttert werden und mit reichlich Flüssigkeit versorgt werden. Dementsprechend hatten wir unser eigenes Mini-Café. Ein Ort, in dem ich leider viel zu wenig Zeit verbracht habe ☹.

Am Abend… (Sie werden es nicht glauben): Party! Bier, DJs, Disco, Tanzen, jeder war Glücklich! Haare: ruiniert.

Eines der vielen tollen Dinge an der CeBIT war, dass man nach den harten Arbeitstagen noch etwas Spaß haben konnte. Jedes Unternehmen, das etwas auf sich hielt, veranstaltete abwechselnd einen Partyabend auf ihrem Stand. Das macht also eine Party pro Abend für die ganze Woche! Und es gab keine Regeln für das Format der Abendveranstaltung. Nun, das war unser Partyabend:

Ja – das sind zwei Damen, die auf den Tischen tanzen :).

Einige Male luden wir einige in Berlin lebende russische DJs ein, um ein bisschen „Russendisko“ aufzulegen:

Ok, die Musik war nicht nur Russendisko (wir wollten es nicht übertreiben:), aber die Zeichentrickfilme auf den Bildschirmen waren auf jeden Fall sowjetisch. Stundenlang tanzten und tranken wir uns durch die Nacht und unsere Party wurde zu einer der geschäftigsten. Auch das lokale Messemagazin „Messe Zeitung“ war der Meinung: Unsere Nacht wurde als „die coolste Party der gesamten CeBIT“ ausgezeichnet! Leider hat kein Exemplar dieser Ausgabe des Magazins überlebt.

 

Ich glaube nicht, dass es neben der CeBIT noch eine andere Ausstellung – auch keine IT-Messe – gibt, auf der ich gewesen bin, die ein so entspanntes Abendformat erlaubt. Die Hannover Industriemesse zum Beispiel, die im gleichen Gebäudekomplex stattfindet, ist eine „Hemd und Krawatte“-Veranstaltung: absolut keine abendlichen Spielereien :). Sogar der Mobile World Congress in Barcelona, der ähnlich fröhlich, lustig und dynamisch wie die CeBIT ist… erlaubt überhaupt keinen Unfug!

Und zum Schluss, leider leider, spiele ich einen geschriebenen Moll-Akkord…

Anfang 2010 beschloss die CeBIT, obwohl ihr Format jahrzehntelang gut funktioniert hat, ihr Format zu ändern. Sie wurde deutschzentrierter, geschäftlicher und formeller. Infolgedessen kam praktisch das gesamte asiatische Kontingent der CeBIT nicht mehr.

Von da an ging es nur noch bergab. Alles, was mobil war, schien sich auf MWC in Barcelona und andere asiatische Messen zu verlagern, und das war es dann – schließlich: Game over. Die CeBIT hörte 2019 endgültig auf zu existieren :((.

Meine letzte CeBIT fand 2014 statt. Nur drei Antiviren-Unternehmen waren dort vertreten: wir, Sophos und ESET (nur zum Vergleich, auf dem Höhepunkt der CeBIT (2000-2005) waren es etwa ein Dutzend).

Aber bei meinem letzten Besuch war ich aus einem anderen Grund dort:

 

Ich denke, das Foto sagt alles. Nur für alle Fälle, finden Sie hier die Details.

PS: Vielleicht fragen Sie sich sich, warum ich so viel über eine einzige jährliche IT-Ausstellung geschrieben habe.

Nun, eigentlich liegt es daran, dass ich die CeBIT für so entscheidend für unsere Entwicklung halte. Unsere kontinuierliche Präsenz dort war einer der Schlüsselfaktoren für unseren Erfolg, insbesondere in Europa. Denn dort gab es jedes Jahr eine außergewöhnlich hohe Konzentration an nützlichen Kontakten und IT-Presse. Dort konnten wir stolz darüber sprechen, dass wir besser sind als unsere Konkurrenten und die Leute wurden aufmerksam auf uns!

Auch unser „Weg zum Erfolg“, den wir zu einem großen Teil auf der CeBIT beschritten haben, ist heute ebenfalls so ziemlich eine historische Untersuchung entsprechend seiner Zeit. Das ist ein weiterer Grund, warum ich viel geschrieben habe: Es schließt irgendwie ein bedeutendes Kapitel ab, also musste ich es richtig irgendwie machen. Ich bin mir sicher, dass Startups heute nicht mehr so bizarre, zähneknirschende Abenteuer erleben müssen. Heutzutage gibt es Investoren, und man kann aus den Erfahrungen anderer, älterer Unternehmen lernen. Welch ein Glück. Dennoch muss ich gestehen, dass auch wir Glück hatten: Der Weg zum Erfolg, den wir auf der CeBIT beschritten haben, war zwar oft hart, aber hat auch viel Spaß gemacht!