Alles ruhig an der hochmilitarisierten demilitarisierten Front

Das ist ein sehr komischer Ort. Es ist ein Ort, der von der Außenwelt vollkommen isoliert ist – durch den Menschen (natürlich nicht so isoliert wie z. B. die Kamtschatka). Tatsächlich (durch den Menschen) isolierter als die Kernkraftwerke von Tschernobyl oder Fukushima. Zu diesen Hügeln dort am Horizont zu kommen, ist vollkommen unmöglich, selbst theoretisch – weder über Land noch Luft. Sie würden erschossen werden!

Ein mehr als absurdes Paradoxon, falls es jemals eins gegeben haben sollte: man nennt diesen Ort „demilitarisiert“. Es stellt sich heraus, dass es einer der am stärksten militarisierten Landstriche der Welt ist! Genau, Leute, das ist die Koreanische Demilitarisierte Zone – die DMZ.

Hier ist eine kurze moderne Geschichte vom Ort…

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Korea (das gesamte Korea) eine japanische Kolonie. Dann wurde Korea im Jahr 1945 durch gemeinsame Anstrengungen der Sowjets und Amerikaner befreit; erstere besetzten und verwalteten die Hälfte nördlich des 39. Breitengrades, letztere übernahmen die andere Hälfte. Vor dem Hintergrund der Politik des Kalten Kriegs führte diese Situation schließlich – im Jahr 1948 – zur Gründung zwei getrennter Regierungen – Nordkorea und Südkorea.

Die neuen Regierungen von Nord- und Südkorea waren Militärdiktaturen, und 1948 – als die sowjetische und US-amerikanische Armee die Länder verließ – blieben zwei Militärdiktaturen zurück. Nun, ich bin kein Geschichtsexperte, aber etwas sagt mir, dass so eine Kombination extrem instabil und zum Krieg verdammt war. (Hmmm: wenn ich das betrachte, was als nächstes passierte, vielleicht habe ich doch einen Geschichtsexperten in mir.)

Und tatsächlich, zwei Jahre später: Krieg. Und obendrein ein sehr barbarischer Krieg.

Heute nennt sich der Krieg Koreakrieg, der im Juni 1950 ausbrach und im Juli 1953 endete. Unterstützt von den Chinesen und auch der Sowjetischen Union (hauptsächlich bezüglich Waffen), gelang die nordkoreanische Armee bis an den südlichsten Punkt der Halbinsel und hatte praktisch gewonnen, aber dann mischten sich die USA ein…

Die Amerikaner stoppten die Offensive aus dem Norden und die südkoreanische Armee wurde zurückgedrängt – bis zum nördlichsten Punkt von Nordkorea! Für den Süden standen die Dinge gut, aber dann mischten sich die Chinesen ein…

Das führte zu der blutigen Front zwischen zwei sich bekämpfenden Teilen Koreas, die zweimal die gesamte Länge der Halbinsel hoch und herunter einnahmen. Während dieses Auf und Abs wurde praktisch alles zerstört und es starben drei, vier, vielleicht sogar fünf Millionen Menschen. Die koreanische Bevölkerung lag vor dem Krieg bei etwas unter 30 Millionen, d. h., dass ca. 10 bis 15 % der Bevölkerung getötet wurden. Außerdem starben ungefähr eine Millionen „freiwilliger“ chinesischer Soldaten. Insgesamt ein blutrünstiges Ausmaß.

Das alles endete in einer Grenze, die zwischen Nord und Süd gezogen wurde und die Halbinsel praktisch in zwei Hälften teilte. Diese Grenze ist die DMZ – 250 km lang, vier breit. Ein Ort, an den sich kein Mensch traut – und an dem dadurch eine üppige Flora und Fauna zu finden ist.

Nordkorea – die Demokratische Volksrepublik Korea – ist tatsächlich ein kommunistischer totalitärer Einparteienstaat (es gibt eigentlich drei politische Parteien, aber nur eine dominiert vollständig) mit einer völlig unentwickelten Wirtschaft, aber mit Atomwaffen. Es gibt kein Internet für die einheimische Bevölkerung, obwohl es ausländischen Touristen zur Verfügung steht.

Südkorea – die Republik Korea – ist wirklich genau das Gegenteil von Nordkorea. Nicht, dass es immer so gewesen wäre. Der Süden und der Norden waren sich damals sehr ähnlich: es handelte sich um arme Militärdiktaturen. Aber im Süden begann Park Chung-hee in den frühen 1960er Jahren damit, wirtschaftliche und politische Reformen zu entwickeln, die die Grundlage für einen Sprung in eine bessere Zukunft boten. Währenddessen hielt sich Nordkorea an einem verschlossenen, zentralisierten, kommunistischen und totalitären Format fest.

Eine einzigartige Situation. Ein historisches Experiment, wenn Sie mir ein wenig Zynismus erlauben. Ein Land, eine Kultur, ein Volk – als Ergebnis einer blutigen Konfrontation in zwei geteilt, und jede Hälfte geht ihren eigenen – entgegengesetzten – Weg. Ich kann mir diesen Fall nur einmal vorstellen. England gegen die USA? Nein: die politischen Systeme waren gleich. Spanischer Kolonialismus? Nein: Krieg war kein fester Bestandteil und nach und nach befreiten sich die Kolonien von Spanien. West- und Ostdeutschland? Nein: Sie bekämpften sich nicht. Nord- und Südkorea? Ja: die Einzigen. Zwei Koreas. Zwei Flaggen. Zwei unterschiedliche Geschichten und Schicksale…

Und zwischen diesen zwei Koreas – da gibt es eine Panzerabwehrmauer, die man mit dem bloßen Auge kaum wahrnehmen kann. Es gibt auch Lautsprecher, durch die der Norden den Süden mit Propaganda beschallt, und der Süden schallt mit etwas zurück, das sich wie südkoreanische Pophits aus den Siebzigern anhört!

Und trotz der drohenden Gefahr dieses Ortes, ist es auch ein Touristenziel, mit Busreisen der Grenze entlang! Und sie werden immer beliebter…

Man kann auch Tunnel besichtigen, die die Nordlichter auf ihren Weg in den Süden (eigentlich in die Hauptstadt) gruben. Leider Gottes sind keine Fotos erlaubt, aber man findet ein paar Aufnahmen im Internet.

Der Tunnel wurde durch Granit gegraben – zwei Meter breit und zwei Meter hoch. Man muss sich beim Laufen ein wenig bücken, da der vorgegebene Helm einen ein paar Zentimeter streckt. Es ist dort unten ein wenig feucht und Wasser läuft die Wände herunter. Es ist kein angenehmer Spaziergang, aber das soll er ja auch nicht sein. 3.000 Soldaten können in einer Stunde durch den Tunnel laufen.

Zu den Fotos aus dem Internet: Die sauber und ordentlich vollendeten Tunnel sind die auf der südkoreanischen Seite, die für Touristen geöffnet sind. Die unebenen Steintunnel sind die originalen, nicht bearbeiteten Tunnel.

Es heißt, dass der erste Tunnel entdeckt wurde, da Rauch aus ihm aufstieg: die Nordkoreaner kochten sich gerade das Mittagessen! Andere wurden durch Überläufer entdeckt, die durch sie entkamen. Es wurden vier gefunden, aber es soll sich um insgesamt 20 handeln. Das Scannen des Untergrunds ist scheinbar nicht machbar, und die Tunnel werden durch „Mikroerdbeben“ entdeckt. Die Nordkoreaner sprengen sich mit Dynamit durch die Felsen, und das festzustellen, ist einfach: es werden vertikale Löcher gegraben, die mit Wasser gefüllt und dann überwacht werden. Eine Sprengung mit Dynamit führt naturgemäß dazu, dass das Wasser aus den nahegelegenen Löchern nach oben schießt.

PS. Hier finden Sie den Bahnhof Dorasan – die letzte Station vor der Grenze. Neue Gebäude und Bahnsteige, aber alte Gleise – die seit langem keinen Zug mehr gesehen haben. Tatsächlich kommt täglich nur ein Zug an einem der Bahnsteige an – aus Seoul.

Ein unheimlicher Anblick.

Ich frage mich, wann es wieder regelmäßige Zugverbindungen geben wird – ohne eine Grenze und einen nötigen Pass…

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