Starmus – Tag 1: Ein Urknall fürs Hirn!

Hallo Leute!

Ich bin noch immer auf Teneriffa – und heute auf dem Starmus Festival. Anders als gewöhnliche Festivals, kombiniert Starmus Astrophysik, grundlegende  Physik und Musik. Noch nie davon gehört? Nun, ich bis dieses Jahr auch nicht, aber hier bin ich jetzt und nutze die Gelegenheit, Ihnen davon zu erzählen!

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Kurz und knapp: Dies ist eine Konferenz, auf der die coolsten, außergewöhnlichsten Wissenschaftler aus der ganzen Welt formale Vorträge halten, aber nebenbei auch recht ungezwungen sprechen – über die Sterne, den Kosmos und den Mikrokosmos, oder was auch immer ihre besondere Nische ist, der sie ihr Leben widmen.

Es fallen große Namen: Stephen Hawking, wahrscheinlich weltweit der größte Star der Wissenschaft, ein Physik-Kosmologe, dessen wissenschaftlichen Theorien nach ihm benannt sind; Brian May – der Gitarrist von Queen – und auch Astrophysiker; Brian Eno –Ambient-Musik-Pionier, Roxy Music-Mitglieder, U2-Produzent und Vordenker; der Astronaut Alexey Leonov, Held der UdSSR und der erste Mensch, der einen Weltraumspaziergang machte; und viele andere…

Letzte Vorbereitungen für die Konferenz:

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Der Saal füllt sich:

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Es saßen mehr als tausend Gäste im Publikum. Wow: wenn man bedenkt, dass die Eintrittskarten 700 Euro (Konferenz & Show), wenn sie vor Ort gekauft werden, oder 500, wenn sie zuvor gekauft werden, oder 250 für Studenten kosten… zahlt es sich sicherlich für die Veranstalter aus.

Fast jeder stand auf, um zu versuchen, ein Foto von DEM Mann zu machen (Steve Hawking natürlich!), als er in den Saal kam. Nun, ich bin ein Fan, aber ich muss wirklich kein Foto von ihm aus der Weite machen, wenn es solche Fotos wie Sand am Meer im Netz gibt; also, warum brauche ich unbedingt ein Foto von ihm? Diese Gedanke ist echt Bombe…aber ich schweife ab. Ich werde auf meine alten Tage noch muffig :).

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Als jeder genug Celebrity-Fotos geknipst hatte, war es Zeit, für das Hauptereignis – die Präsentationen – etwas runterzukommen!

Starmus. Tag 1.

Hier sind die Referenten von heute:

Adam Riess

Der amerikanische Astrophysiker und Nobelpreisträger für Physik aus dem Jahr 2011. Er sprach über die Geschwindigkeit der Expansion des Universums, wie sie erforscht wird, welche Messinstrumente verwendet werden, welche Ergebnisse sie erstaunt haben, aber welche sie noch immer nicht verstehen. Interessanterweise wurde der Satz „Wir wissen es nicht“ oft in seiner Rede wiederholt. Respekt.

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Brian Greene

Der amerikanische theoretische Physiker und Stringtheoretiker. Er erzählte dem Publikum angeregt alles über Strings und über das Multiversum und seiner Beziehung mit dem Universum, und über die merkwürdigen und wundervollen Theorien, die es über sie gibt; er sagte: „Ich bin anderer Meinung!“. Im Großen und Ganzen ein toller Vortrag.

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Eine impulsive Erklärung der Natur des Urknalls hinsichtlich multiverse Blasen:

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Robert Woodrow Wilson

Der amerikanische Astronom und Nobelpreisträger für Physik aus dem Jahr 1978. Er erzählte uns alles über kosmische Hintergrundstrahlung und wie sie sie entdeckten. Sehr cool. Es ist beeindruckend, wie sie es schafften, solche gigantische wissenschaftliche Durchbrüche mit, aus heutiger Sicht, sehr primitiven Instrumenten zu erzielen. Mit Stolz erzählte er uns, dass ihre Beobachtungen mit den theoretischen Berechnungen übereinstimmten.

Barry Barish

Der amerikanische Experimentalphysiker. Erwartet zweifellos (verdient) den Nobelpreis für seine Arbeit zu Gravitationswellen.

Er erzählte uns alles über Gravitationswellen – woher die Theorie zu ihnen stammt und alles über ihre theoretische Grundlage. Er berichtete uns dann darüber, wie sie praktisch die Theorie mit ihren Geräten und Messinstrumenten bestätigen (dafür mussten sie vier Kilometer Rohre in einem nahen Vakuum verlegen). Sehr cool. Ich als Pragmatiker sehe keinen kommerziellen Wert (selbst nicht in hundert Jahren), die dieser wissenschaftliche Durchbruch haben könnte; aber dafür, dass es sich um eine alte Theorie handelt, ziehe ich meinen Hut (besonders für die, die das alles bezahlten) :).

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Robert J. Sawyer

Der kanadische Science-Fiction-Autor. Ein interessanter Vortrag zur Verantwortung der Science-Fiction gegenüber der… Zukunft! Jeder kann voraussagen, wie Autos der Zukunft aussehen werden; aber nur der Science-Fiction-Autor kann Dinge, wie einen Verkehrsstau voraussagen. Er gab uns viele verschiedene Beispiele wie dieses. Aber es fehlten ein paar Überlegungen: das Internet wurde lange vorausgesagt; aber was ist mit seinen Problemen?…)

Peter Schwartz

Der amerikanische (jemand nicht aus Nordamerika?:) Futurist, Erfinder und Autor. Ein Experte in AI (hmm, interessantes Thema). Er erzählte uns über die „kleine AI“, was eine Schaltfläche auf einer Webseite ist, die viele Dinge auf einmal macht, und auch über „echte AI“, die es in der nächsten Zeit. nicht geben wird

Joel Parker

Der amerikanische Astronom, Physiker und der Kopf der Rosetta-Mission und New Horizons. Er erzählte uns viel über diese Projekte – wie sie die Weltraummission begannen, was Neues gefunden wurde, was für magische Fotos sie aufnahmen, und selbst ein Selfie der Rosetta mit 67P/Tschurjumow-Gerassimenko im Hintergrund! Eine faszinierende Geschichte. Mir wurde ganz anders.

Steve Balbuss

Der amerikanische Astrophysiker und Oxford-Astronomieprofessor. Sein Vortrag: „Warum der Fisch aus dem Wasser kam“. Es stellt sich raus, dass es die Anziehungskraft des Mondes und der Sonne, die die Gezeiten verursacht, war, und damals im Devon bestimmte Fische nicht nur im Wasser, sondern auch am Ufer überleben mussten. Deshalb wurden sie zu Amphibien.

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Seltsamerweise hörte ich eine ähnliche Geschichte von einem Taucher in Australien, der auch ein (Amateur-) Astronom war :).

Ich muss sagen, dass dies der Trockenste aller Vorträge war. Glücklicherweise war es der einzige von allen.

Hier ist das „Alle-zusammen“-Foto, mit mir:

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Am Ende des Tages kam mir ein Gedanke in den Sinn…

Wie ich bereits erwähnt habe, waren alle Referenten aus den USA. Aber was erwarten wir? Natürlich erforschen Europäer und Inder und Chinesen Physik und Astronomie und all das; aber es gibt ein Land vor allen anderen, das diese Studie ernsthaft erforscht, und nur ein einziges Land: die USA. Und nochmal, Hut ab; Respekt.

Jeder Vortrag – selbst der trockenste – war toll. So komplett und auch ehrlich. Jeder von ihnen: was sie getan haben, wie, welche Fragen unbeantwortet bleiben, was noch getan werden muss… Like.

Leute, morgen gibt’s mehr von Starmus!

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